Politik & Wirtschaft

Cannabis GrasLegalisierung von Cannabis auch in Deutschland?

Marihuana, Gras oder Shit - bei Cannabis scheiden sich die Geister. Kaum ein Thema sorgte in den letzten Jahrzehnten für so hitzige Diskussionen. Noch ist der Besitz bis auf wenige Ausnahmen strafbar. Das galt lange Zeit als ehernes Gesetz, eine Legalisierung erschien undenkbar. Aber das könnte sich bald ändern. Kurioserweise fordern nicht nur die Konsumenten selbst eine Freigabe, sondern auch viele Juristen und Politiker.

Aretha Franklin RespektKonflikte lösen durch Gewaltfreie Kommunikation

Die 4 Schritte der GFK

  1. Beobachtung,

  2. Gefühl,

  3. Bedürfnis,

  4. Bitte.

GiraffeGfK: Wie entstehen Konflikte?

Konflikte ergeben sich, weil man mit einer statischen Sprache eine Welt, die sich ständig verändert, kaum erfassen kann. Statische Sprache macht Menschen zu leblosen Dingen, die man mit den Etiketten richtig, falsch, gut, schlecht, normal, unnormal versehen kann. GfK verwendet eine prozessorientierte Sprache: Beobachtungen werden „konkret bezogen auf die Zeit und den Handlungszusammenhang“ formuliert. Es ist die Sprache des Lebens. Sie ist lebendig, drückt Gefühle aus.

WolfGewaltfreie Kommunikation nach Rosenberg

Das Konzept der Gewaltfreien Kommunikation (GFK) wurde vom amerikanischen Psychologen Marshall B. Rosenberg (1934 - 2015) entwickelt. Ziel ist es, so miteinander umzugehen, dass eine vertrauensvolle Kommunikation und eine friedliche Konfliktlösung möglich wird. Das fängt bei der eigenen Person an. Ich stelle keine Erwartungen an mein Gegenüber, sondern bemühe mich um eine wertschätzende Haltung. Dadurch gebe ich der Kooperation und der Kreativität meiner Beziehung zum anderen Raum.

Counter Speech aktive GegenredeCounter Speech – die Kunst der Gegenrede

Die einzig wirksame Antwort auf verbale Respektlosigkeiten, auf Hate Speech ist Counter Speech. Das bedeutet sinngemäß „aktive Gegenrede“ und bezeichnet die angemessene Reaktion auf herabwürdigende verbale Angriffe, gezielt gestreute Vorurteile und Falschinformationen. Dabei sollte vor allem sachlich argumentiert werden. Humor ist jedoch erlaubt und sogar erwünscht. Allerdings darf der Gegenredner sich nicht von starken Emotionen wie Ärger und Wut dazu hinreißen lassen, selbst ausfällig oder beleidigend zu werden. Das entwertet sein eigenes Verhalten und seine Argumente.

Ihr seid nicht das Volk © Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0Der Verrohung gemeinsam entgegentreten – aktiv!

Die Verrohung unserer Gesellschaft zeigt sich nirgendwo so offen und deutlich wie in der zunehmenden verbalen, auch körperlichen Gewalt und Aggression gegenüber Polizeibeamten und Rettungskräften, gegenüber Politikern und Ehrenamtlichen.

Angriffe in diesem Bereich haben massiv zugenommen. Wenn wir unsere Freiheiten, unsere Werte und unsere Demokratie retten wollen, müssen wir Wege finden, diese Entwicklung aufzuhalten. Wir müssen der Respektlosigkeit entschieden entgegentreten. Wir müssen konkrete Grenzen definieren und bei Verstößen spürbare Konsequenzen folgen lassen.

FDGB-Pokal, 1. FC Lok Leipzig - Dynamo Schwerin, AusschreitungenAuch Toleranz hat Grenzen

In der UNESCO-Deklaration ist auch festgeschrieben, was Toleranz nicht ist, nämlich

Nachgeben, Herablassung oder Nachsicht.“

Also, dass wir immer weiter zurück weichen, wenn andere immer extremere Positionen vertreten, sich respektlos verhalten etc. Diese Passage macht klar, dass die Definition der UNESCO eher einen Anspruch und ein hehres Ideal als eine Realität beschreibt. Toleranz, so der Wortlaut der Erklärung, ist demnach vor allem eine „aktive Einstellung“. Das widerspricht den allgemein gängigen Definitionen des Begriffes.

Sigmund FreudWie viel Respektlosigkeit dürfen wir tolerieren?

Wir leben in einer sehr freien Gesellschaft. Jeder einzelne kann aus beinahe unendlich vielen Möglichkeiten wählen. Er kann seine eigene Lebensform entfalten, egal ob im Hinblick auf Berufswahl, Religionsfreiheit, freie Meinungsäußerung oder andere persönliche Vorlieben. So viel Freiheit führt zu einer starken Differenzierung und zu einer großen Vielfalt.

Die Menschen in einer freien Gesellschaft können nur in Frieden miteinander leben, wenn es gleichzeitig ein hohes Maß an Toleranz gegenüber anderen Lebensformen gibt und jeder die individuellen Besonderheiten des anderen respektiert. Toleranz kann allerdings nicht grenzenlos sein.

Der Schrei der Natur, Edvard Munch (1863–1944)Pandemie, Klimawandel, Armut - ist unsere Zukunftsangst begründet?

Unsere Zukunft erscheint mitunter in einem bedrückenden Licht: Die COVID-19-Pandemie hält die Menschheit in Schach, der globale Umweltschutz kommt nicht voran und die Schere zwischen Armen und Reichen geht immer weiter auseinander. Doch hinter solchen düsteren Perspektiven stecken oft auch unbegründete Ängste, die von politischen Kräften aus eigenen Interessen geschürt werden.

RechtspopulismusZuwanderung - ideologische Steilvorlage für Populisten

Zuwanderung führt also nicht unmittelbar zu Verrohung einer Gesellschaft. Sie liefert jedoch den Tätern - gerade im Bereich der politisch motivierten Kriminalität Steilvorlagen und Anknüpfungspunkte für Propaganda, Aggression und Straftaten. Vor allem im Bereich der politisch motivierten Kriminalität. Gruppen und Personen aus dem rechtsextremistischen Spektrum sind zwar sehr heterogen und gespalten. Sie sind sich im Grunde nur an einem Punkt einig, nämlich wenn es um die Zuwanderung geht:

TV Duell Trump BidenRespektlosigkeit, Verrohung, Spaltung der Gesellschaft durch Populismus

Von der Respektlosigkeit der Sprache ist es nur ein kleiner Schritt bis zur Verrohung der Sprache. Und da die vorherrschende Sprache immer auch den Zustand einer Gesellschaft beschreibt – zur Verrohung einer Gesellschaft. Wenn wir Verrohung hinnehmen, erdulden, machen wir uns mitschuldig. Am Verlust unserer demokratischen Werte und an der Gewalt in unserer Gesellschaft.

No Hate

Hate Speech - es gibt eine Steigerung zur Respektlosigkeit

Freie Meinungsäußerung ist die eine Seite der Medaille, Respektlosigkeit, Hass und Hetze die andere. Hassreden gehören heute zu den Problemen, mit denen wir uns im Umgang mit dem Internet regelmäßig auseinandersetzen müssen. Einzelne Personen oder ganze Gruppen von Menschen werden dort in respektloser und herabsetzender Weise beschimpft und beleidigt, diskriminiert und ausgegrenzt.

Hate Speech zielt häufig auf Eigenschaften wie Hautfarbe, Herkunft oder Religion ab. Sie verletzt bewusst Würde und Rechte anderer Menschen und wird ganz gezielt eingesetzt, um diese einzuschüchtern. Das Schlimme daran ist, dass die verbalen Attacken ihre Wirkung auch dann entfalten, wenn man beschließt, sie zu ignorieren. Gerade dann.

Knigge Ueber den Umgang mit Menschen Titelblatt 1788Respekt und Internet - ein Widerspruch?

Kann sich das, was wir unter Respekt verstehen, mit dem Zeitgeist verändern? Adolf Freiherr Knigge würde sich vermutlich im Grabe herum drehen. Ihm ging es nämlich damals nicht um die höfische Etikette, den Benimm bei Tisch oder das korrekte Outfit für jeden Anlass. Sein Anliegen war der respektvolle Umgang der Menschen untereinander.

"Erſtes Capittel. Allgemeine Bemerkun¬
gen und Vorſchriften uͤber den Um¬
gang mit Menſchen.

Kollegah und Farid Bang

Rap - soll man respektlose Texte verbieten?

Strafen, Zensur oder Verbote haben wie man aus anderen Bereichen weiß, bei verbalen Grenzverletzungen oft den gegenteiligen Effekt: Jugendliche finden die Musik unter Umständen noch viel attraktiver, wenn sie den Charme des Verbotenen hat. Sie kennen solche Texte in und auswendig und sie provozieren damit.

Rap profiliert sich durch Härte. Rap macht auf sich aufmerksam durch Respektlosigkeit und Provokationen und durch das Brechen von Tabus. Rapper übertrumpfen sich regelrecht gegenseitig mit Provokation und Respektlosigkeit. Und fordern gleichzeitig vehement Respekt für ihre eigene Lebensform ein.

Respekt: Problematische Vorbilder am Beispiel Rapperszene

In den Massenmedien ist die verbale Hemmschwelle nicht zuletzt dank Dieter Bohlen und ähnlich problematischen Vorbildern extrem niedrig. Um nicht zu sagen unterirdisch, also im HInblick auf Respektlosigkeiten kaum noch zu unterbieten. Dieter Bohlen, diverse Comedians und TV-Größen wie Jan Böhmermann (Link zum Video: Erdoğan Schmähgedicht), sowie praktisch alle Protagonisten der Rapperszene haben sich den Tabubruch äußerst medienwirksam auf die Fahnen geschrieben. Das verbale Niveau ist inzwischen so weit gesunken, dass es Jugendlichen heute kaum noch gelingt, ihre Umwelt ernsthaft zu schockieren. Respektlose Sprache hat Kultfaktor. Respektlosigkeit wird von den Mainstream-Medien, aber vor allem auch im Internet mit Aufmerksamkeit belohnt.

Opfer

Wann ist Sprache respektlos?

Wann wird Sprache abwertend, beleidigend, diskriminierend, rassistisch etc.? Wann sind einzelne Worte respektlos und provozierend?

Es gibt keine allgemein gültigen Standards für das verbale Durchbrechen einer "verbotenen" Schallmauer. Ausdrücke, die bis vor kurzem noch als anstößig empfunden wurden, sind längst in den allgemeinen Sprachgebrauch übergegangen. Sie erregen dann kaum noch Aufsehen.

Ein Beispiel ist der Begriff "geil" für "toll", "gut" oder "cool". Eine Vokabel auf dem Scheideweg sozusagen. Entweder zum Aussterben verdammt oder reif für die Ablösung durch eine neue Variante. Mit Potenzial zur Provokation. Hier ist Jugendsprache sehr kreativ.

Coronalegenden

Jugendsprache - Gratwanderung zwischen Schlagfertigkeit und Respektlosigkeit

Die rhetorischen Vorlieben von Jugendlichen sprechen meist eine ziemlich deutliche Sprache. Jugendsprache provoziert und verstößt gegen die gerade geltenden Moralvorstellungen, Normen und Tabus. Und zwar mit Begeisterung. Die Wortwahl Jugendlicher ist sehr konkret und bildhaft, durchaus wertend und häufig ganz bewusst respektlos. Ein Beispiel ist das schöne Wort „Covidiot“, das Menschen bezeichnet, die sich nicht an Gesundheitsempfehlungen halten, die den Ernst der Coronakrise ignorieren, die die Gesundheit anderer in Gefahr bringen und die in großen Mengen hamstern. Der Begriff wurde sogar schon von der Generalstaatsanwaltschaft Berlin behandelt, weil Strafanzeigen gegen die SPD-Politikerin Saskia Esken gestellt wurde wegen des Verdachts der Beleidigung.

Sprache BewusstseinBewusstseinsbildung und Sprache

Sprache bildet Bewusstsein. Im vorsprachlichen Bereich besitzt ein Kind noch keine Vorstellung von dem Begriff „Respekt“. Es empfindet aber Freude, Genuss, Schmerz und Leid. Die Sprache formt nach und nach das Denken und die Wirklichkeit. Erst wenn Kinder die Sprache beherrschen, können sie auch konkret Einfluss auf die Welt nehmen. Umgekehrt wird die Welt da draußen durch Sprache im Kopf präsent. Der Begriff „Tisch“ wird im Gehirn mit Eigenschaften wie Farbe, Größe, Material etc. verknüpft, aber auch mit Emotionen, Erfahrungen und Erinnerungen. Dem gemeinsamen Essen mit der Familie zum Beispiel.

StreitErziehung zum Respekt 

Wenn ein Kind respektlos behandelt wird, gedemütigt, in seinen Bedürfnissen und Lebensäußerungen nicht beachtet, nicht ernst genommen, gekränkt wird, seelisch immer wieder verletzt wird, kann es keine Ich-Stärke entwickeln. Es wird bald versuchen, andere zu dominieren. Es wird sich aufwerten, indem es andere abwertet. Es wird sich anderen Gegenüber ebenso respektlos verhalten, wie es selbst respektlos behandelt wurde.

ComicRespekt und Kommunikation

Respekt – und Respektlosigkeit – können sich im nichtsprachlichen und im sprachlichen Bereich äußern. Zum Beispiel wenn Anerkennung im Sinne von Lob oder Bewunderung in Worte gefasst wird. Respekt in Reinform zeig sich nicht nur in der gesprochenen Sprache sondern auch in der Art und Weise, wie ich mit anderen kommuniziere. Ich zeige Respekt zum Beispiel, indem ich einem anderen Menschen aktiv zuhöre und Fragen stelle – aus echtem Interesse.

Aretha Franklin RespektRespekt!

Respekt ist abgeleitet vom lateinischen „respectio“. Das bedeutet in etwa „Rückschau, Einschätzung, Betrachtung“. Gemeint ist, dass wir einer Person, einem Lebewesen oder der Natur Achtung, Wertschätzung, Aufmerksamkeit und Ehrerbietung entgegenbringen. Auch Höflichkeit, Fairness und Anerkennung, Toleranz und Rücksichtnahme sind Ausdrucksformen einer respektvollen Haltung.

Oesterreichischer Praeventionskongress 2020 Respekt. Unser gemeinsamer Beitrag für eine verbindende Zukunft.

Österreichischer Präventionskongress 2020 - 16. bis 19. November 2020 (Online-Kongress)

WasserCorona und die Ärmsten der Armen: Kein Wasser – keine Hygiene

Der Wasserverbrauch weltweit pro Jahr liegt bei etwas über 4 000 000 000 000 000 Liter. Die Grenze der nachhaltigen Nutzung überschreiten wir regelmäßig Anfang August. Im Jahr 2020 vermutlich etwas später, weil mit der Corona-Pandemie die Produktion weltweit einbrach.

7 800 000 000 Menschen zählt die Welt derzeit. Es sollte also genug für alle da sein. Rein rechnerisch stehen jedem gut 500 Kubikmeter zu. Leider ist es faktisch etwas komplizierter:

85 Prozent der Menschen leben in den trockensten Gebieten unseres Planeten. In Afrika müssen viele mit 20 Litern Wasser am Tag auskommen. Nur für die Ernährung und um Krankheiten durch Hygiene zu vermeiden braucht man ungefähr 50 Liter am Tag.

Ring des NibelungenLiebe, Macht, Verblendung – die Götterdämmerung

Richard Wagner verfasste mit dem Ring des Nibelungen eine psychologische Parabel auf die Sehnsucht nach Liebe und Anerkennung. Hauptdarsteller Alberich sucht die Liebe vergeblich. Er versucht schließlich, sie durch Macht zu kompensieren. Alberich verfällt am Ende der Sucht nach Allmacht, die selbst über Leichen geht. Dieses Gleichnis hat bis heute nichts an Gültigkeit eingebüßt.

drei AffenRealitätsverlust - Macht - Abwehrmechanismen

Dem Streben nach politischer Karriere liegt allzu oft ein konkretes Motiv zugrunde: Das Bedürfnis, mächtig und wichtig zu sein. Der Wunsch nach Anerkennung wird kaschiert durch eine politische Mission, zum Beispiel das Kämpfen für „soziale Gerechtigkeit“, „Umweltschutz“ etc. Unbewusst sind schon mehrere Abwehrmechanismen aktiv. Es entstehen „blinde Flecken“.

Die Herrschaft der Medien und der Wirklichkeitsverlust

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/1/15/Honor%C3%A9_Daumier_-_Gargantua.jpg/312px-Honor%C3%A9_Daumier_-_Gargantua.jpgSchon zu Beginn des neuen Jahrtausends prangerte der politische Journalist Jürgen Leinemann († 2013) die Massenmedien an. Das war lange, bevor das Internet seinen Siegeszug antrat. Er kritisierte damals, dass Medien die Tendenz der kollektiven Derealisation verstärkten: Wir entfernen uns immer weiter von der Wirklichkeit, statt uns der Realität anzunähern. In seinem Buch „Höhenrausch“ schreibt Leinemann, die „Mediokratie“ erschaffe durch mediale Inszenierung Ersatzwirklichkeiten. In diesen virtuellen Räumen können die Polit-Profis ihr Ego aufblähen und ihre faktische Ohnmacht kompensieren.

Fakes statt Fakten

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/5/5a/Boss_Tweed%2C_Thomas_Nast.jpg Korruption wird belohnt

Zeigt ein Kind das erwünschte Verhalten, lassen wir Konsequenzen folgen: Wir belohnen es. Handelt es gegen die Regeln, lassen wir ebenfalls Konsequenzen folgen: Strafe. Dabei wenden wir ein einfaches Prinzip der Lernpsychologie an. Dieses besagt: Belohnungen verstärken einen Lernprozess positiv.

Korruption wird nicht abgestraft

Korruption in Politik und Wirtschaft wird selten abgestraft. Ganz im Gegenteil. Korruption wird sogar häufig dadurch belohnt, dass der Tatbestand als Kavaliersdelikt behandelt wird.

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/9/9b/Andrea_Appiani_Napoleon_K%C3%B6nig_von_Rom.jpg/185px-Andrea_Appiani_Napoleon_K%C3%B6nig_von_Rom.jpg Narzissmus, Macht und Illusion

In ihrem Buch „Die Fesseln der Liebe“ schreibt die Psychoanalytikerin Jessica Benjamin: „Niemand kann sich der Abhängigkeit von anderen oder dem Wunsch nach Anerkennung entziehen.“ Diplom-Psychologe Dr. Jürgen Wirth ergänzt in seinem Werk „Narzissmus und Macht“: „Die Anhäufung von noch so viel Macht kann das menschliche „Urbedürfnis“ nach Liebe und Anerkennung jedoch nicht ersetzen, sondern nur umformen und ausnutzen. Wer Macht hat, kann sich Liebe und Anerkennung erzwingen und erkaufen.“ Damit verschleiert er jedoch nur seine fundamentale Abhängigkeit.

Der geheime Lebensplan (Alfred Adler)

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/e/ec/Punch_Rhodes_Colossus.png/185px-Punch_Rhodes_Colossus.pngJeder Mensch entwirft nach Adler schon als Kind einen Lebensplan. Der bleibt vorerst „geheim“ - er ist nicht bewusst. Er verfolgt den Plan, weil er glaubt, dass sein Bedürfnis nach Anerkennung und Geltung befriedigt wird, wenn er die gesteckten Ziele erreicht. Je ausgeprägter das Gefühl der Minderwertigkeit, desto zwanghafter wird der Plan abgearbeitet. Daraus ergibt sich eine Leitlinie. Sie manifestiert sich in bestimmten Glaubenssätzen:

  • Ich muss erfolgreich sein.“
  • „Ich muss immer der Beste sein.“
  • „Ich muss mich unterordnen.“
  • „Ich muss diszipliniert sein.“
  • ...

Alfred AdlerMinderwertigkeit und Kompensation nach Alfred Adler

Der Arzt und Begründer der Individualpsychologie Alfred Adler war ein Zeitgenosse und zeitweiliger Wegbegleiter Sigmund Freuds. Er geht im Gegensatz zu Freud davon aus, dass dem menschlichen Verhalten nicht nur eine kausale Begründung zugrunde liegt, sondern auch eine finale. Kausal bedeutet in diesem Zusammenhang: Die Ursache liegt in der Vergangenheit und hat Wirkung in die Gegenwart. Final: Das Handeln ist auf ein bestimmtes Ziel, einen bestimmten Zweck gerichtet und soll etwas bewirken. Man muss also Zweck und Ziel des Verhalten erforschen, wenn man es verstehen möchte.

tabuPolitik: Offenheit und Transparenz schwächen das System

Die Rituale der Macht und das Herrschaftswissen unterlagen zu allen Zeiten einem Tabu. Auch heute zeigen die Mächtigen wenig Interesse an der Offenbarung ihrer Strategiespiele und Machttechniken. Schon deswegen, weil Transparenz immer das Risiko birgt, gewachsene Strukturen und das System zu gefährden. Die Medien tun ihr übriges dazu. Sie prangern zwar Fehlentwicklungen an und fordern Kontrollmechanismen ein, beleuchten aber selten die Hintergründe, die zu Machtmissbrauch und Korruption führen. Sie bleiben vor allem nie lange an einer Sache dran, sondern treiben bald darauf schon eine neue Sau durchs Dorf.

Die Ohnmacht der Entscheider

Kann Hoffnung enttäuscht werden?

Ernst BlochDiese Frage stellte Ernst Bloch 1961 bei seiner Antrittsvorlesung in Tübingen. Seine Antwort:

"Und wie doch, gewiss, so etwas ist leicht zu haben. Kommt haufenweise vor, jedes Leben ist voll von Träumen, die nicht werden."

Trotz dieser zahlreichen Enttäuschungen glaubt Bloch an die Fähigkeit der Menschen, am "Prinzip Hoffnung" festzuhalten. Die objektiv-reale Möglichkeit dieser tiefen Sehnsucht nach einer besseren Welt erscheine in der Kunst. Dort leuchte bereits ein Vorschein des Künftigen auf. Bloch bezeichnet diesen Vorschein auch als das „Noch-Nicht-Bewusste“: Aus dem Dunkel des Bewusstseins dämmert herauf, was wir sein könnten. Einer seiner Leitsätze lautet

Denken heißt Überschreiten“.

Die drei Dimensionen der Utopie

1. Zeit

M. C. Escher

Irgendwann entwickelte der Mensch ein Bewusstsein darüber, dass er Vergangenheit und Zukunft hat. Damit beginnt eine neue Zeitrechnung und eine neue Form der Kreativität: Sie geht über das Abbilden des Konkreten hinaus und schafft Neues, eine abstrakte Vorstellung von der Welt.

Denken heißt Vergleichen“, so Walter Rathenau. Wer das Gestern mit dem Heute vergleichen kann, stellt unweigerlich fest, dass sich die Dinge ändern. Er wird folgern, dass nichts so bleiben muss, wie es ist. Er wird damit beginnen, Dinge zu erdenken, die Morgen sein könnten. Was heute noch unmöglich scheint wird vielleicht morgen so selbstverständlich und scheinbar unabänderlich sein, wie all das, was heute existiert.

UtopiaUtopia: Geografie des sechsten Kontinents  

Eine Weltkarte, auf der das Land Utopia nicht verzeichnet ist, verdient nicht einmal einen flüchtigen Blick, denn ihr fehlt das Land, das die Menschheit seit jeher ansteuert.“ (Oscar Wilde)

Die Bezeichnung „Utopie“ geht auf Thomas Morus gleichnamige Erzählung zurück. Er verfasste das Werk in lateinischer Sprache und betitelte es mit „nusquama“, also „nirgendwo“ (griechisch: „oú topía“ = „an keinem Ort“). Es ist nicht bekannt , ob das Wortspiel aus dem identischen Klang der Begriffe Utopia und „eu topia“ (griechisch der „gute Ort“) im Englischen von Morus so beabsichtigt war. Auf ihm beruht jedoch die fortan getroffene Unterscheidung zwischen „positiven“ und „negativen“ Utopien, den so genannten „Dystopien“ (die griechische Vorsilbe „dys“ bezeichnet eine Störung oder Abnormität).

10 Regeln für Utopisten und solche, die es werden wollen

UtopieUtopien nach dem Motto „Ich verbessere die Welt und zwar sofort!“ bleiben meistens, was sie sind: eine Illusion. Es sei denn, der Heilsbringer findet eine Anhängerschaft, die seine narzisstischen Ideale gewaltsam umsetzt. Die Geschichte hat der Menschheit diesbezüglich einige schmerzhafte Lektionen erteilt. Dennoch - die Welt braucht Visionen. Und Menschen, die sie umsetzen. Deswegen hier einige Grundregeln für Utopisten und solche, die es werden wollen:

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Wir haben den Übermenschen erschaffen

Den neuen Menschen erschaffen ist fast wie Spielen mit Legosteinen: Nimm ein bisschen DNA und bau sie neu zusammen. Auch Gott hatte keine Bedienungsanleitung, als er den Menschen schuf. Er begann sein Werk und machte prompt Fehler. Eva zum Beispiel. Eva infizierte die Welt mit ihrer Fehlerhaftigkeit. Gott fand trotzdem, dass es gut war. Nun sind wir dran. Die göttliche Moral ist gilt ja schon lange nichts mehr und das Risiko hält sich in Grenzen. Denn bisher war alles Leben, das der Mensch auf künstlichem Wege erschuf, nur von kurzer Dauer.