Henkerturm NuernbergZimperlich war man im Mittelalter nicht. Zu den nettesten Strafen gehörte damals noch das Kitzeln: Der Delinquent wurde auf ein Brett gelegt, festgebunden und dann vom Scharfrichter mit einer Feder an den Fußsohlen gekitzelt. Nicht ganz so lustig war dagegen der Pranger. Aber auch da war Nürnberg wieder einmal besonders progressiv, denn es gab neben dem Hauptpranger und dem Bauernpranger sogar einen eigenen Frauenpranger. Frauen genossen außerdem das Privileg, dass sie ihr Gesicht verhüllen durften. Immerhin...

Volksbelustigung am Hauptmarkt

Je nach Straftat mussten die Angeprangertern unterschiedlich lange ausharren. Sie bekamen ein Schild umgehängt, auf dem geschrieben stand, was sie verbrochen hatten. Das war aber nicht wirklich schlimm, weil damals sowieso keiner lesen konnte. Außerdem durften die Passanten sie mit Abfall bewerfen. Ein guter Grund, gelegentlich über den Hauptmarkt zu schlendern. Steine werfen, schlagen und treten war verboten.
 

Das Diensttagebuch eines Henkers

Die Chancen, die Prozedur am Pranger zu überleben, standen also gar nicht mal so schlecht. Pranger gab es nur leichte Straftaten wie Liederlichkeit und Betteln. Schwerwiegendere Vergehen wurden durch Erhängen geahndet, denn dabei handelte es sich um die kostengünstigere Lösung - im Gegensatz zur Verbrennung.Ins Gefängnis kam man ohnehin nur, wenn es sich für die Stadt rechnete. In den Kerker brachte man beispielsweise Schuldner. Allerdings auch nur dann, wenn die Aussicht bestand, dass sie ihre Schulden auch wirklich tilgen konnten. Auch Geiseln, die in der Schlacht gefangen genommen worden waren, genossen dieses Privileg - bis zur Zahlung eines Lösegelds. Und damit das alles mit rechten Dingen zugeht, führte unser Nürnberger Scharfrichter und oberster Folterknecht sogar ein Diensttagebuch. Darin kann man bei einer Besichtigung seine ehemalige Dienstwohnung im Henkerturm am Trödelmarkt heute noch schmökern.

Schoener Brunnen NuernbergDie Pest hatte grausam in Nürnberg gewütet. Viele Menschen waren dem Schwarzen Tod zum Opfer gefallen und es gab fast keine Kinder mehr. Die Stadt drohte auszusterben und die Ratsherren waren voll der Sorge darüber, wer in Zukunft ihr Säckel füllen sollte. Da meldete sich ein Schreiber und wies darauf hin, dass fast alle Gewässer der Stadt verunreinigt seien. Er schlug vor, einen Brunnen zu bauen, der nur das reinste Wasser führt. Dann würde auch Meister Adebar bald wieder kommen und viele gesunde Kinderlein bringen. Die Ratsherren machten sich zwar lustig über das kleine Schreiberlein, den Brunnen bauten sie aber dennoch. Er bekam sogar eine eigene Wasserleitung, gespeist aus zwei Quellen in Gleishammer. 

Der Lehrling und die Tochter des Meisters

1587 errichtete Meister Paulus Kuhn das schmiedeeiserne Gitter um den Schönen Brunnen herum. Nun begab es sich aber damals, dass sich ein Lehrling in seine hübsche Tochter Margret verguckte. Der Meister war gar nicht angetab, weil er sich ein bessere Partie für seine Tochter wünschte. Er warf den armseligen Habenichts hinaus und rief ihm nach:  "Daraus wird ein für allem nichts! So wenig wird etwas daraus, wie du es fertig bringst, dass die Ringe am Brunnengitter sich drehen können!" Das wollte der Lehrling nicht auf sich sitzen lassen. Er schmiedete heimlich einen Ring und sägte ihn so zu, dass er sich ins Gitter einfügen ließ. Dann hämmerte und lötete er so lange daran herum, bis die Schnittstelle nicht mehr zu sehen war. Als der Meister den Ring sah, der sich wie von Zauberhand drehen ließ, biss er sich fast in den Hintern, weil er so einen guten Handwerker hatte ziehen lassen. Er hätte ihn gerne wieder eingestellt, doch der Lehrling war längst über alle Berge und hatte gewiss längst irgendwo anders sein Glück gefunden. Margret dagegen war untröstlich und machte ihrem alten Herrn die Hölle heiß. 

Storch Adebar bringt reichen Segen

Noch heute kann man am Schönen Brunnen in Nürnberg viel Spaß mit dem Ringlein haben. Das fängt meist schon damit an, dass sich die Touristen grundsätzlich vom Gold blenden lassen und am falschen Ring drehen. Da genügt dann meist ein kurzer, freundlicher Hinweis. Dann können Sie den auswärtigen Gästen noch eine Weile dabei zusehen, wie sie den richtigen Ring suchen. Wenn sie ihn dann endlich gefunden haben, wird gedreht und gedreht und dann lohnt es sich immer, einmal nachzuhaken: Wissen Sie denn eigentlich, was Sie sich gerade gewünscht haben? Große Augen mit Fragezeichen... Dabei sitzt er direkt über dem Ring, der Meister Adebar, und trägt ein kleines Kind im Schnabel. Spätestens dann dämmert es den meisten so langsam. 

EndSie erinnern sich vielleicht dunkel? 1999 auf 2000? Bei diesem spektakulären Beinahe-Weltuntergang waren viele von uns live dabei: Ein bisschen peinlich ist es im Nachhinein schon. Wie erklärt man das den Kindern, wenn die das nachher im Internet lesen?

Zwar glaubte keiner von uns so recht daran, dass die Raumstation MIR wirklich auf die Erde stürzen und die Eifel explodieren würde, aber die Theorie, dass mit der Umstellung der Computer von der 99 auf die 00 unvorstellbare Katastrophen eintreten könnten, war so weit verbreitet, dass es auch für nicht allzu abergläubische Menschen gar nicht so einfach war, sich dem schaurigen Grusel zu entziehen. Und was ist passiert? Nichts. Einfach rein gar nichts. Irgendwie auch schade. Wieder eine Chance auf eine echte Sensation verpasst.

Wenn ein Weltuntergang in die Geschichte eingeht, war er nicht erfolgreich

Das war das bedauerlichere Schicksal aller bisherigen Weltuntergänge. Der 21.12.2012 war sozusagen der Weltuntergang unter den Weltuntergängen schlechthin. Der, der eigentlich sämtliche bisher dagewesenen apokalyptischen Rekorde toppen sollte. Mit Sonnenstürmen, Vulkanausbrüchen, Erdbeben, Polsprüngen und allem, was dazu gehört. Ein spitzenmäßig inszenierter Endzeit-Blockbuster in wirklich.

Aber auch da gab es wieder nur zwei Möglichkeiten: Hätte er tatsächlich stattgefunden, so hätte das nachher auch keinen mehr interessiert. Weil ja die Welt dann komplett untergegangen wäre. Sonst wäre es ja kein Weltuntergang gewesen. Es war auch keiner. Also haben wir einfach wieder Weihnachten gefeiert. Wie immer. Obwohl einem dann schon irgendwie etwas fehlt. Schließlich hat man nicht alle Jahre die Gelegenheit, einen so sensationellen Weltuntergang zu erleben. Rasputin, der berühmte russische Zarenflüsterer, der mit seinen Vorhersagen ebenso daneben lag wie mit seinen Heilkünsten, hatte den nächsten für 2013 prognostiziert. Und wieder nichts...

Die nächsten Termine stehen schon

Da ist es zumindest ein kleiner Trost, dass der Termin für den nächsten Weltuntergang auch schon steht: 2019. Nostradamus und Alois Irlmaier prophezeihen den Ausbruch eines Dritten Weltkrieges. Ungefährr im August. Nachdem es die meistzitierten Weltuntergangsvorhersager der Welt allerdings nie so genau mit den Datumsangaben genommen haben, könnte das Ereignis auch etwas länger dauern.

Spannend wird es auf jeden Fall noch einmal im Jahr 2038. Da endet nämlich die Computerzeitrechnung, denn die ist tatsächlich endlich und wenn die Zeit abgelaufen ist, springen die Zahlen einfach wieder auf null. Die fatale Folge: Was auch immer auf Computertechnik basiert, also 2038 so ziemlich alles oder gar nichts mehr, klinkt sich aus. Das könnte wirklich eine richtige echte Katastrophe verursachen, wenn man bedenkt, dass die meisten Menschen schon heute nicht mehr ohne WLAN funktionieren.

Gänsehaut, Grusel und Gurus

Die bisherigen Prognosen für den Weltuntergang waren also nicht gerade zuverlässig. Nur auf eines kann man sich dabei 100prozentig verlassen, nämlich darauf, dass es bis zum realen und finalen, also zum echten, tatsächlichen und wirklichen Weltuntergang noch jede Menge neue Prophezeiungen geben wird. Warum? Weil Menschen Gänsehaut und Grusel lieben, das Angstprickeln und die schönen Schauder, die einem solche Geschichten den Rücken herunter jagen. Und sie lieben Gurus, Propheten, und sonstige Superhelden. Weil die so genau wissen, wo es lang geht. Im Gegensatz zu Politikern zum Beispiel.

SpiegelEin Schelm, wer da leugnet, dass sich hinter den Boshaftigkeiten zwischen den beiden ungleichen Nachbarn nicht nur das berühmte Körnchen Wahrheit, sondern immer auch eine gehörige Portion Neid verbirgt. Denn die Nürnberger genossen recht lange die Privilegien einer Reichsstadt, doch irgendwann standen die strengen Regeln zum Beispiel die Zünfte betreffend auch der Innovationskraft im Wege. Im 18. Jahrhundert ging es mit Nürnberg wirtschaftlich bergab. Viele Handwerker zog es nach Fürth, weil man es dort mit dem Zunft- und Gewerbezwang nicht ganz so genau nahm wie in der Reichsstadt. So ging zum Beispiel auch der erste Spiegelhersteller von Nürnberg nach Fürth, um dort das erhabene deutsche Spieglein herzustellen. Hatte man nämlich bis dahin Spiegel in Form einer Glasskugel produziert, so konnte man nun dank einer neuen Technik flaches Glas herstellen. Und das hatte einen sehr viel besseren Spiegeleffekt.

Diese Herstellungsweise war nach der Handwerksordnung in Nürnberg verboten, in Fürth aber erlaubt. Und so kam es, dass die Handwerker in Fürth sich viel besser an den Bedürfnissen der Konsumenten orientieren und dadurch auch marktgerechter produzieren konnten. Das wiederum brachte der Stadt einen bemerkenswerten Aufschwung. Die Juden, die von den Nürnbergern vertrieben und ebenfalls nach Fürth abgewandert waren, taten ihr übriges dazu mit ihren Geld und ihren Kontakten. Sie machten die Waren der Fürther Handwerker in ganz Europa bekannt und gemeinsam bescherten sie der Fürther Wirtschaft Erfolg und Wachstum und machten der Reichsstadt ordentlich Konkurrenz.

Kein Wunder also, dass in einer Fürther Chronik von 1778 nachzulesen steht, die Stadt Fürth habe einen schlechten Ruf, weil die Nürnberger ihr nachsagen, dass sie ihr „in commercio", also in Handelsdingen schadeten. Die Reichsstadt war aber auch mit den Jahren ein wenig behäbig geworden und stand sich mitunter auch selbst im Wege wie zum Beispiel beim so genannten „Pflasterkrieg".

KloßBaumwollene, Seidene und Halbseidene…

Viele denken fälschlicherweise, die Bezeichnung hätte irgendwas mit dem Anteil der rohen und gekochten Kartoffeln zu tun. Das ist nicht der Fall. Der Unterschied zwischen den verschiedenen Knödelvariationen ist schnell erklärt: Der Baumwollene ist ein Kloß ganz ohne Kartoffelstärke und wird mancherorts auch „grüner Kloß“ genannt, weil die geriebene Kartoffel durch Oxidation eine grünliche Farbe annimmt. Um das zu verhindern, wird er mit Knödelhilfe verarbeitet. Er sieht sehr viel gröber aus als ein Kloß, dem Stärke zugesetzt wird und wird mit der Menge der verwendeten Kartoffelstärke immer „seidiger“.

Grund-Rezept für Rohe Klöße:

Dabei werden rohe und gekochte Kartoffeln etwa im Verhältnis 2:1 verarbeitet. Die rohen Kartoffeln in eine große Schüssel reiben. Die Flüssigkeit in ein flaches Gefäß abgießen und die Stärke absetzen lassen. Wer keine grünen Klöß mag gibt besser Knödelhilfe zu. Dann die Kartoffeln gut ausdrücken, am besten in einem groben Leinensäckchen. Der Teig darf keinesfalls zu feucht werden. Deswegen gibt man auch die Stärke ohne Flüssigkeit zur Kartoffelmasse.

Die gekochten Kartoffeln mit einer Presse zerkleinern in mit der Masse aus rohem Teig durchkneten und mit Salz abschmecken. Der Teig muss sehr gründlich durchgearbeitet werden, damit die Knödel keine Risse bekommen und sich gut formen lassen.

Die Hände mit kaltem Wasser befeuchten und glatte, kugelrunde Knödel formen. Nach Belieben einige kleine in Butter leicht geröstete Brötchenwürfel hineingeben. Die Knödel vorsichtig in einen großen Topf mit sprudelndem Salzwasser geben und mit Deckel kochen, bis sie an die Oberfläche steigen und sich um sich selbst drehen. Von da an ohne Deckel nur noch leise köchelnd ziehen lassen. Nach insgesamt ca. 20 Minuten Kochzeit mit dem Schaumlöffel heraus nehmen.

Da man den Stärkegehalt der Kartoffeln meist nicht kennt, empfiehlt es sich immer, vorab einen kleinen Probeknödel zu kochen. Wenn er zerfällt oder nach dem Aufsteigen geschrumpft ist, enthält der Teig zu wenig Bindemittel. Man gibt also noch etwas Stärke zu.

Grund-Rezept für Gekochte Klöße:

Geschälte Kartoffeln pressen, auf ein Kilo jeweils zwei Eier und zwei EL Mehl als „Kleister“ in den möglichst heißen Teig geben, gut durchkneten, Klöße formen und wie zuvor kochen.

Knödel mit dem Messer schneiden…

… geht in Bayern gar nicht. Und zwar nicht etwa deswegen, weil die Messer davon anlaufen, wenn sie mit dem Schwefel reagieren, da heutzutage meistens kein Silber mehr im Besteck enthalten ist. Trotzdem muss sich ein Zugereister, der auf dem Kloß mit dem Messer herumsäbelt, immer noch missbilligende Blicke gefallen lassen. Hinter der althergebrachten Sitte, den Kloß mit der Gabel zu zerteilen, steckt nämlich System: eine grobe Struktur hat eine größere Oberfläche und nimmt so die gute Soße einfach besser auf als eine glatte. Und dabei entwickelt jeder mit der Zeit seine individuell ausgefeilte Technik, zum Beispiel indem er das abgerissene Stück mit der Gabel so eindrückt, dass es Rillen - und damit eine noch größere Oberfläche zum Ansaugen von Flüssigkeit - bekommt.

PflasterDer Minister des preußischen Königs in Ansbach, Freiherr von Hardenberg wollte um die Jahrhundertwende Nürnberg in das preußisch-fränkische Gebiet eingliedern. Er besetzte die Stadt mit Zustimmung der Nürnberger, die damals sehr viele Schulden hatten und sich von den Preußen Unterstützung versprachen. Damit war aber der König nicht einverstanden, weil ihm das Ärger mit dem Kaiser hätte einbringen können. Hardenberg musste sich also etwas Neues einfallen lassen und weil er Nürnberg nicht kriegen konnte, nahm er eben den Ort, der in Franken ansonsten wirtschaftlich am Wichtigsten war, nämlich Fürth.

Alle Neuerungen und Fördermittel kamen nunmehr der kleinen Nachbarsstadt zugute und Nürnberg hatte das Nachsehen. Die Fürther erhielten eine Bank, Hardenberg verteidigte die Gewerbefreiheit und er wollte eine Straße bauen und - das war damals ungewöhnlich - sie sollte gepflastert sein. Die Steine bestellte man in Wendelstein, wo sich ein Steinbruch mit sehr hartem Gestein befand, der auch dafür berühmt war, die schönsten Mühlsteine weit und breit zu liefern.

Hardenberg erteilte ein Auftrag über eine Million Pflastersteine. 20 Gulden pro 1000 Stück sollten diese kosten. Preußen bezahlte jedoch nur 15 Gulden, die übrigen fünf, welche an die Stadt Nürnberg als Eigentümerin des Steinbruchs berappt werden sollten, schenkte sich Hardenberg. Er argumentierte, dass nur das Gebiet mit der Mauer drum herum Stadt sei und das Nürnberger Land zum preußischen Besitz gehöre, weswegen die preußische Verwaltung gar nicht daran denke, der Forderung nachzukommen.

Das wiederum ärgerte die Nürnberger, welche die Straße ohnehin nicht wollten, ganz furchtbar. Sie überhäuften also den Steinbruch mit so vielen Aufträgen, dass dieser keine Zeit mehr hatte, Steine für die Straße zu produzieren. Hardenberg verbot daraufhin die Herausgabe von Gestein an Fremde, was die Nürnberger wiederum so erboste, dass sie versuchten, die Steine nachts heimlich aus dem Steinbruch nach Nürnberg zu transportieren, doch die preußischen Soldaten standen bereits vor dem Tor und fingen die Steine ab. Für die so beschlagnahmte Ware zahlten sie übrigens gar nichts. So ging es noch eine ganze Weile hin und her, doch Preußen hatte den längeren Atem - drei Jahre später war die Straße fertig.

PolitikFrüher erwarb man Berufe sozusagen genetisch. Der Sohn ererbte das elterliche Gewerbe oder, wenn der Vater Henker war, wurde der Sohn eben auch Henker. Deswegen ist es manchmal besser, wenn einem die Eltern nichts vererben. Heute gibt es praktisch nur eine einzige Chance, in dieser Gesellschaft aus dem nichts reich zu werden: Die politische Karriere!

Das Bürgermeister-Gen

Politiker ist auf jeden Fall ein kreativer und abwechslungsreicher Beruf für Menschen, die kein Risiko scheuen. Nehmen Sie zum Beispiel die Europa-Politik: Da brauchen Sie keine Vorkenntnisse. Sie tun einfach experimentell mal was in die Runde, weil die bewährten Sachen ja sowieso nicht mehr funktionieren und auch keiner weiß, wie es klappen könnte.

Sie sind nicht ganz auf den Mund gefallen und gehen gerne in die Wirtschaft?

Dann haben Sie absolut das Zeug zum Politiker ‑ das Bürgermeister-Gen. Da kriegen Sie eine Startbahn direkt ins Wohnzimmer und in der Wirtschaft alles für umsonst. Noch besser geht das in der Bundespolitik. Dort dauert die Legislaturperiode nur vier Jahre und manchmal sogar kürzer. Da haben Sie gar nicht mehr groß Zeit, sich um Politik zu kümmern. Aber das machen ja sowieso die Referenten. Die schreiben Ihnen schöne Reden und Konzepte. Das müssen Sie dann nur noch runter lesen. Ob Sie das inhaltlich verstehen oder nicht, ist doch egal. Ist doch ohnehin nur so ein Ritual – wie die Wahlen zum Beispiel:

Sie überlegen ein paar Wochen, welchen von den Männern auf den hübschen bunten Bildchen, die überall in der Stadt hängen, Sie nehmen wollen. Dann endlich, immer sonntags, ziehen Sie sich schön an und gehen feierlich zur Urne. Dort gibt es zwei Hüter der Urne, die aufpassen, dass Sie auch wirklich der sind, der das Kreuz machen darf, und einen Zeremonienmeister, der Ihnen freundlich erklärt, wo sie ihr Kreuz machen müssen und Ihnen nötigenfalls auch schon mal die Hand führt. Dann gehen Sie nach Hause und schalten den Fernseher ein. Da stehen die von den Bildchen dann alle rum und warten. Wenn Sie die vielen roten Köpfe sehen, wissen Sie, dass Sie als Wähler eine enorme Macht haben.

Das ist ein bisschen so wie im antiken Griechenland. Da standen auch überall Statuen rum und Sie konnten sich aussuchen, welcher Gott für Sie zuständig ist. Wenn der nichts taugte, kam die Statue auf den Sperrmüll und man suchte sich einfach eine neue raus.

Man muss den Göttern Opfer bringen, damit Sie einem geneigt bleiben

Früher gingen die Leute dann einfach dorthin und legten ihm was ins Schälchen. In manchen Kulturkreisen ist das heute noch so, nur bei uns ist das ein wenig verpönt. Doch das sitzt so hartnäckig in den Genen, dass die Leute es dann eben heimlich machen. Und wenn es raus kommt, tun alle ganz entrüstet. 

Qualifiziertes Personal händeringend gesucht!

Wenn Sie dann gewählt wurden, müssen Sie zusehen, dass Sie in der kurzen Zeit in so viele Aufsichtsräte wie möglich rein kommen. Wenn Sie es nach vier Jahren auf fünf erkleckliche Pöstchen gebracht haben, liegen Sie verdammt gut im Rennen. Das ist aber ein ganz schöner Stress, bis Sie mal soweit sind. Da brauchen Sie sonst nichts mehr.

Deswegen hört man von den meisten Politikern auch rein gar nichts. Und ein Politiker, der in fünf Aufsichtsräten sitzt, ist doch prima qualifiziert für die Wirtschaft! Das lassen sich die Unternehmen eine ganze Stange Geld kosten, so qualifiziertes Personal.

Warum versuchen Sie es nicht einfach mal selber?

Was die können, können Sie schon lange! Ein paar Posten werden ja demnächst wieder frei. Und die suchen wirklich händeringend gute Leute.

original bayerische knoedel waehrend der zubereitungVöllerei gehört heutzutage insbesondere an den Festtagen selbst im katholischen Bayern zu den eher lässlichen Sünden. Das Servieren eines Pfanni-Knödels fällt dagegen unter unverzeihliche Todsünden.

Eine Gastwirtschaft, welche Knödel-Pantscherei oder versuchtem Betrug mit Fertigprodukten begeht und dabei ertappt wird, schmort auf ewig im kulinarischen Höllenfeuer. Er ist sozusagen dem Untergang geweiht.

Die Zubereitung von Knödeln, das ist bayerische Kochkultur in höchster Vollendung. Der Kloß ist der Inbegriff eines jeden Festtagsschmauses, ganz gleich ob es als Beilage Gans, Ente oder Schweinebraten gibt - Hauptsache „ein Trumm Fleisch, so groß wie ein Abortdeckel", so ein Chronist Anfang des vorigen Jahrhunderts. Das gab es allerdings nur „alle heilige Zeit“, also an den hohen kirchlichen Feiertagen. Aber die großen dampfenden Schüsseln mit den dicken runden Klößen drin standen früher mindestens dreimal die Woche auf dem Tisch in der guten Stube.

Knödel, Klöß, Kniela oder Spotzn?

Mit Gewissheit kann man nach Karl Valentin eigentlich nur behaupten, dass es korrekterweise „Kartoffelnknödeln“ heißen muss, weil ja schließlich nicht nur eine Kartoffel drin ist, sondern ganz viele.

In Bayern gibt es allerdings gar keine Knödel, sondern nur Klöß‘. Der Spotzn wiederum ist das Oberpfälzer Nationalgericht, aber darunter versteht der Franke nur ein paar Kilometer weiter schon wieder etwas ganz anderes, nämlich „spucken“. Im Grunde ist es aber immer das gleiche mit den beiden: sie spucken sich gern gegenseitig in die Suppe und triezen sich, wo es nur geht, aber wenn es ums Essen geht, sind sie ein Herz und eine Seele. Nur dass die Spotzn in Franken eben Knie(d)la oder Kleeß (mit weichem K) heißen. Und es gibt doch einen kleinen, aber feinen Unterschied: Der Oberpfälzer packt in seine Knödel noch ein paar geröstete Semmelstückchen hinein, damit der Kloß noch mehr fette Bratensoße aufsaugen kann. Denn das ist letztlich das Geheimnis eines jeden Knödels: dick getränkt schmeckt. er am allerbesten Und so ein Kloß mit Soß gehört ja in Bayern quasi schon zur Babynahrung.

Reichsstadt NürnbergBetrachtet man die beiden Städte aus der Luft zum Beispiel auf Google Earth, so kann man nicht unterscheiden, wo Nürnberg aufhört und Fürth anfängt. Die Stadtgrenze verläuft manchmal zwischen zwei Häuserzeilen wie in der Höfener Straße. Dort soll dereinst in einer kalten und regnerischen Nacht eine Streife der Fürther Stadtpolizei entlang gegangen sein. Die Polizisten sahen einen Selbstmörder am Baum hängen. Sie fackelten nicht lang und hängten ihn eiligst auf die Nürnberger Seite.

Zehn Minuten später, so geht die Legende, seien zwei Nürnberger Polizisten vorbei gekommen. Da habe der eine zum anderen gesagt: „Jetzt hängt der schon wieder da!"

Ein anderer Selbstmordkandidat, so wird erzählt, sei in Nürnberg auf einer Brücke über der Pegnitz gestanden und wollte sich gerade in die Tiefe stürzen, als ein Nürnberger Polizeibeamter hinzu kommt. Er wendet sich verständnisvoll an den Verzweifelten und sagt: „Na, was is'n los?" Der Unglückliche sagt: „Die Frau is weg, des Haus is weg, des Auto is weg! Mir reicht's!" Sagt der Polizist: „Ja scho, aber jetza stell da mal vor, du hupfst da nunta - ich muss dir hinterher springen. Wir beide treiben Richtung Färdd in der Pengatz und ich schwör' dir - vor der Stadtgrenz' krabbelst du raus. Den Stress brauch mer uns ned machen!"

Auch den Dialekt der Nachbarstädte können nur Einheimische wirklich unterscheiden und der Unterschied ist ungefähr so relevant wie der zwischen dem Nürnberger Nordstädter und einem in der Südstadt sozialisierten Eingeborenen. Nur einem dummen kleinen Zufall ist es also zu verdanken, dass Nürnberg eine große, berühmte Reichs- und Kaiserstadt wurde, Fürth aber lange Zeit bedeutungslos vor sich hin dümpelte und in Verruf geriet wie zum Beispiel in folgender Spruchweisheit festgehalten: "Wer niggs is und wer niggs ko, der gäid zur Färdder Schdrasserboh".

DauerkarteLieber Fünfter als Färdder ist eine Nürnberger Spruchweisheit, die nur versteht, wer der fränkischen Mundart mächtig ist, weil Vierter in Mittelfranken genauso ausgesprochen wird wie Fürther. Die Rivalitäten der fränkischen Nachbarn im Fußball sind nun rund 100 Jahre alt. 1914 wurde Greuther Fürth die Mannschaft mit dem Kleeblatt erster deutsche Meister - der 1. FC Nürnberg schaffte es erst 1920 an die Spitze. Danach wurde Fußballgeschichte eine Zeitlang fast nur noch in Nürnberg und Fürth geschrieben.

Die beiden Städte galten bis weit in die 20er Jahre hinein als deutsche Fußballhochburgen. 1924 bestand die deutsche Nationalmannschaft aus sechs Fürthern und fünf Nürnbergern. Aber von wegen fränkische Solidarität - die Erzrivalen wollten nicht miteinander spielen. Sie wurden schließlich vom DFB gezwungen, gemeinsam zur Partie gegen Holland zu fahren. Doch selbst auf der Zugfahrt zogen sie sich in die jeweils am weitesten auseinander gelegenen Wagons zurück und wechselten kein Wort miteinander. Und im Hotel gingen sich die Spieler der beiden Mannschaften genauso aus dem Weg wie anschließend auf dem Spielfeld. Das 1:0 fiel auf Vorlage des Nürnberger Spielers Träg und wurde vom Fürther Stürmer Ascherl verwandelt. Die Kleeblätter jubelten, die Clubberer übten sich in Ignoranz.

Ein paar Jahre später hat ein Fürther Spieler gar Spielverbot bekommen, weil er eine Nürnbergerin geheiratet hat. Und wenn in Nürnberg einer schlechten Fußball spielt so sagt der Volksmund: "Was schbilldn där fieran Schdobbfer zam? Där is gwieß vo Färdd!?" ["Was spielt denn der für einen Blödsinn zusammen? Der ist gewiss aus Fürth!?"]

Nun jedenfalls dauern die Animositäten zwischen den den fränkischen Nachbarsstädten bis heute an und wer den Hinterrgrund verstehen möchte, muss einen Blick in die Geschichte werfen. So konnten es die Kleeblätter zum Beispiel gar nicht verwinden, dass Fürth nach Nürnberg eingemeindet werden sollte. Aber auch die Nürnberger haben viel Grund zum Ärgernis und das nicht nur, weil Fürth viel älter ist, sondern auch eine Zeit lang wirschaftlich viel erfolgreicher war.