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Oleg PopovOleg Popov - der Sonnenclown wird 90

Oleg Popov (1930 - 2016) lebte viele Jahre mit seiner deutschen Frau Gabriela in Egloffstein. Man nannte ihn den „Sonnenclown“ – wegen seiner wohl bekanntesten Zirkus-Nummer, bei der er einen Sonnenstrahl einfängt und aufgrund seiner charismatischen Ausstrahlung. Am 31. Juli würde Oleg Popov 90 Jahre alt. Für mich war es eine große Ehre und ein ganz besonderes Vergnügen, dass ich 2009 für die Nürnberger Nachrichten ein Interview mit ihm führen durfte. Hier einige Auszüge:

Herr Popov, wollten Sie schon immer Clown werden?

Oleg Popov: Als Kind habe ich die Charlie-Chaplin-Filme gesehen und ich wollte so sein wie er. Ich habe es mir immer gewünscht, aber ich habe nie gedacht, dass ich wirklich Clown werden würde.

Wie wird man Clown?

Oleg Popov: In Russland gibt es professionelle Schulen, an denen man den Beruf des Clowns erlernen kann. Bei mir war es aber etwas anders. Ich ging von 1944 bis 1950 zur Zirkusschule und war zuerst Seiltänzer. Ich hatte eine Nummer zusammen mit einem Partner einstudiert, der bei den Proben leider schwer verunglückte. Danach stand ich alleine da und durch diesen unglücklichen Umstand bin ich Clown geworden.

Ist Clown ein Beruf mit Zukunft?

Oleg Popov: Clowns wird es so lange geben, wie die Sonne scheint!

Sie sind der berühmteste Clown der Welt – gibt es überhaupt Länder, in denen Sie noch nicht aufgetreten sind?

Oleg Popov: In der Antarktis... Nein, im Ernst - in Indien und China bin ich noch nie aufgetreten, aber sonst schon überall.

Gibt es beim Zirkuspublikum nationale Unterschiede?

Oleg Popov: Das Publikum, das in den Zirkus kommt, um sich die Vorstellung anzuschauen, ist in der ganzen Welt gleich, aber jedes Volk hat seinen eigenen Charakter, ein anderes Temperament. Wenn man in Italien auftritt, kann es sein, dass man mit „Hurra“ empfangen wird, in Skandinavien sind die Menschen eher etwas ruhiger. In Deutschland gibt es sehr viele Zirkusse, die Menschen mögen den Zirkus sehr und es ist ein sehr professionelles Publikum, sie wissen sehr viel und sie lieben den Zirkus. In Russland ist das ähnlich.

Wo fühlen Sie sich zu Hause?

Oleg Popov: Mein Haus ist hier, aber mein Leben spielt sich überwiegend im Zirkus ab und wo das Zirkuszelt steht, bin ich zu Hause - das kann jeder Ort auf der Welt sein.

Haben Sie eine Lebensphilosophie für unsere Leser?

Oleg Popov: Ich wünsche den Lesern, dass in ihren Gesichtern öfter ein Lächeln zu sehen ist, als ein ernster Gesichtsausdruck. Man sollte sich am Leben freuen, die Tiere lieben, die Natur behüten und die Luft rein halten – denn die müssen wir atmen.

charlie chaplinAls ich begann mich selbst zu lieben

Charlie Chaplin (1889-1977) soll dieses Gedicht verfasst und an seinem 70. Geburtstag (16.04.1959) vorgetragen haben. Das zumindest wird immer wieder behauptet, entspricht jedoch nicht den Tatsachen. Das Original stammt aus der Feder der amerikanischen Autorin Kim McMillen (1944 – 1996):

Als ich begann mich selbst zu lieben, erkannte ich, dass Schmerz und emotionales Leid nur Warnzeichen dafür sind, dass ich dabei war gegen meine eigene Wahrheit zu leben. Heute weiß ich, das ist Authentizität.

Als ich begann mich selbst zu lieben, habe ich verstanden, wie sehr es jemanden verletzen kann, wenn ich versuche ihm meine Wünsche aufzuzwingen, obwohl ich wusste, dass es nicht der richtige Zeitpunkt war und die Person nicht bereit dafür war, obgleich ich selbst diese Person war. Heute nenne ich es Selbstachtung.

Als ich begann mich selbst zu lieben, habe ich aufgehört, nach einem anderen Leben zu verlangen, und konnte sehen, dass alles, was mich umgab, mich einlud zu wachsen. Heute nenne ich es Reife.

Als ich begann mich selbst zu lieben, habe ich verstanden, dass ich in jeder Lebenslage, zur richtigen Zeit am richtigen Ort bin und alles geschieht im absolut richtigen Moment. Also konnte ich ruhig sein. Heute nenne ich es Selbstvertrauen.

Als ich begann mich selbst zu lieben, hörte ich auf, mir meine eigene Zeit zu stehlen und ich hörte auf, riesige Projekte für die Zukunft zu entwerfen. Heute mache ich nur das, was mir Wonne und Freude bereitet; Dinge, die ich liebe und die mein Herz zum Lachen bringen. Und ich tue sie auf meine eigene Art und Weise und in meinem eigenen Rhythmus. Heute nenne ich es Einfachheit.

Als ich begann mich selbst zu lieben, befreite ich mich von allem, was nicht gut für meine Gesundheit ist, von Speisen, Menschen, Dingen, Situationen und von allem, das mich hinunter zog und weg von mir selbst. Anfangs nannte ich diese Haltung gesunden Egoismus. Heute weiß ich, es ist Selbstliebe.

Als ich begann mich selbst zu lieben, hörte ich auf, zu versuchen immer recht zu haben, und seit dem habe ich mich weniger geirrt. Heute habe ich entdeckt, das ist Bescheidenheit.

Als ich begann mich selbst zu lieben, weigerte ich mich weiter in der Vergangenheit zu leben und mich um die Zukunft zu sorgen. Jetzt lebe ich nur für den gegenwärtigen Moment, in dem alles geschieht. Heute lebe ich jeden einzelnen Tag, Tag um Tag, und ich nenne es Erfüllung.

Als ich begann mich selbst zu lieben, da erkannte ich, dass mich mein Verstand durcheinanderbringen und krank machen kann. Aber als ich ihn mit meinem Herzen verband, wurde mein Verstand zu einem wertvollen Verbündeten. Heute nenne ich diese Verbindung Weisheit des Herzens.

Wir brauchen uns nicht weiter vor Auseinandersetzungen, Konflikten oder irgendwelcher Art Probleme mit uns selbst oder anderen zu fürchten. Sogar Sterne kollidieren und aus ihrem Zusammenprall werden neue Welten geboren. Heute weiß ich: Das ist das Leben!

RaumschiffGibt es intelligentes Leben auf der Erde?

Unter den Wissenschaftler des Planeten Y12 herrscht ein erbitterter Streit: Gibt es intelligentes Leben auf der Erde oder nicht? Nach langem hin und her beschließt man, ein Raumschiff zu entsenden. Es soll die Lebensformen auf der Erde untersuchen.

Die Forscher stellen fest, dass die Erdlinge einen ungeheuerlichen Aufwand bei der Produktion von Lebensmitteln betreiben. Bei der Produktion, aber merkwürdigerweise auch bei der Vernichtung von Lebensmitteln. Sie beobachten, dass die Erdlinge ihr Essen unermüdlich auf dem ganzen Planeten hin und her transportieren. Tagein, tagaus. Mit Schiffen, Flugzeugen, Lastwägen und Mülltransportern.

Die Forscher vom Planeten Y12 sind verwirrt. Warum verschleudern die Erdlinge so viele kostbare Ressourcen wie Wasser und Energie? Warum kippen sie Gift auf ihre Felder? Wozu in aller Welt produzieren sie tonnenweise Treibhausgase? Und das alles nur, um anschließend unglaublich viel Zeit, Energie und Aufwand in die Reparatur ihres Planeten zu investieren?

Lastwägen befördern Lebensmittel von der Produktionsstätte in große Lager. Dort wird es bis zum täglichen Abtransport durch Müllfahrzeuge in Regalen aufgebahrt. Die Erdlinge laufen ziellos durch die Lager und nehmen dann einige wenige Produkte mit. Aber nach welchen Kriterien? Die Forscher stehen vor großen Rätseln.

Abends werden die Lager geschlossen. Das Lebensmittel ist dann kein Lebensmittel mehr, sondern Abfall. Obwohl es nach eingehenden Untersuchungen der Forscher vom Planeten Y112 eindeutig für essbar und qualitativ hochwertig befunden wurde. Es ist selbst dann Abfall, wenn es erst fünf Minuten vor der Schließung frisch hergestellt wurde.

Nach den Berechnungen der Forscher werden auf diese Weise in einer mittelgroßen Ansiedlung von Erdlingen etwa so viele Lebensmittel vernichtet, wie in einer kleinen Ansiedlung konsumiert werden. Tag für Tag. Die Forscher vermuten, es könnte sich dabei um religiöse Opferrituale handeln. Anders können sie sich das Verhalten der Erdlinge nicht erklären. Warum werden Lebensmittel in einer Ansiedlung weggeworfen, obwohl die andere gar keine hat? Warum bringen die Erdlinge die Nahrung nicht einfach in jene Ansiedlungen, in denen Menschen verhungern?

Die Forscher vom Planeten Y112 reisen ab. Sie schließen die Akte „Erde“. In ihrem Abschlussbericht steht:

„Eine Lebensform, die nicht mit Lebensmitteln umgehen kann, kann unmöglich intelligent genug sein, um zu überleben.“

Das war soweit nichts Neues für die Forscher auf Y12. Lebensformen kommen und gehen. Und so brachen sie wieder auf in die unendlichen Weiten des Universums, um neue Welten zu erforschen.

Mutter KindVom ES zum ICH zum DU

Wir machen vom ersten Tag unseres Lebens an Erfahrungen. Doch kurz nach der Geburt kann man sich das menschliche Bewusstsein wie eine Art leeres Gefäß vorstellen. Einmal abgesehen von den Inhalten des kollektiven Unbewussten wie Kultur, Geschichte oder Ahnen. Dieses Gefäß wird durch das Leben nach und nach mit Erlebnissen, Empfindungen und Eindrücken angefüllt. Das erklärt auch, warum die ersten Erfahrungen im Leben eines Menschen etwa bis zum 3. Lebensjahr die prägendsten sind. Sie bilden das Fundament. Alles, was später hinzu kommt, wird damit verwoben und wird davon beeinflusst.

Das Neugeborene lebt vollkommen im ES. Es ist ein egoistisches kleines Wesen, das lautstark die Erfüllung seiner Bedürfnisse einfordert. Sofort. Gleichzeitig entwickelt sich mit jeder einzelnen Wahrnehmung das Bewusstsein des Kleinkindes. Die Interaktion mit der Mutter ist absolut prägend für diese ersten Sensationen. Die Mutter ist der Quell der Nahrung, der Geborgenheit und des Gefühls von Selbst-Sicherheit.

Kommt die Mutter, wenn das Kind schreit, kann es Ur-Vertrauen entwickeln. Es lernt nach und nach erste Grenzen und Regeln kennen, beispielsweise wenn die Mutter das Kind auf das Fläschchen warten lässt, weil dieses erst noch gewärmt werden muss. Und irgendwann macht das Kind die sensationelle Entdeckung, dass die Hand der Mutter nicht die eigene Hand ist. Es beginnt, ICH und DU zu unterscheiden.

Das sind die Anfänge eines ICH, eines Selbst-Bewusstseins. Diese Entwicklung vollzieht sich über die gesamte Entwicklung in der Kindheit und wird in Form einer Wechselbeziehung vorwiegend vom unmittelbaren Erleben und Verhalten der primären Bezugspersonen geprägt. Je nachdem, ob wir unser Umfeld liebevoll und zugewandt, sehr streng oder gar desinteressiert erleben, verhalten wir uns entsprechend zurück: Wir öffnen uns dem Leben oder befolgen nur blind die Regeln, weil wir Strafe fürchten. Diese unbewussten Einstellungen und Verhaltensweisen formen unseren Charakter.

FamilieLieben lernen - Vater und Mutter als Schlüsselpersonen

Bei der Frage nach der eigenen Herkunft, stehen immer die leiblichen Eltern ganz am Anfang. Man bleibt Vater und Mutter ein Leben lang aufs Engste verbunden, ganz egal ob beide Elternteile in der Kindheit und Jugend anwesend waren oder nicht. Und man identifiziert sich mit ihnen - im Guten wie im Schlechten. Auch die spätere Rolle als Mutter oder Vater und alle weiteren Beziehungen zu anderen Menschen werden ganz wesentlich von den eigenen Eltern geprägt.

Unsere Eltern sind so vieles für uns. Vater und Mutter verkörpern mehr als alle andere Menschen die Chance auf Selbsterkenntnis und Integration. Die Geschichte der Ahnen mit all ihren Fehlern erscheint abstrakt und fern. Die Geschichte des eigenen Vaters oder der leiblichen Mutter ist für uns dagegen konkret und greifbar.

Idealisierung – Ablehnung – Integration

Kleine Kinder identifizieren sich sehr stark mit ihren Eltern. Das führt zur Idealisierung. Pubertierende grenzen sich dagegen deutlich ab, mitunter bis hin zur Ablehnung. Beide Haltungen sind Zeichen einer gesunden Entwicklung vom Kind zum Erwachsenen. Wer nur das Idealbild sieht, verleugnet den Anteil, der mit Fehlern behaftet ist. Wer aber trotzig in der Ablehnung verharrt, ignoriert die guten Seiten. Beide gehören zum Menschsein und zum Ich-Selbst-Sein.

Erwachsen werden - Bindungsfähigkeit entwickeln

Erwachsenwerden ist ein Prozess, der nur gelingen kann, wenn man Mutter und Vater mit all ihren Fehlern und Schwächen annehmen, lieben und integrieren kann. Wer in einer kindlichen Gut-und-Böse-Welt gefangen bleibt, die guten Anteile in sich selbst und die bösen im anderen sieht (oder umgekehrt), ist dazu verdammt, die Muster seiner Kindheit ewig zu wiederholen. Eine echte Bindung an einen Partner ist aber nur möglich, indem man sich von diesem infantilen Beziehungsbild löst.

StammbaumUnsere Ahnen – unser Erbe

Die Erforschung des eigenen Stammbaums ist wieder in Mode gekommen. Mit etwas Aufwand können viele Menschen die Geschichte ihrer Ahnen einige Generationen weit zurück verfolgen. Sie werden bald feststellen, dass sich die Äste des Stammbaums bereits bei den Urgroßeltern unüberschaubar zu verzweigen beginnen. Geht man weiter zurück in der Vergangenheit, wird man unweigerlich mit dem Gedanken konfrontiert, dass wir vermutlich alle irgendwie miteinander verwandt sind. Es liegt also durchaus nahe, dass es in vielen Kulturen die Idee einer „Urmutter“ und eines „Urvaters“ gibt. Von diesen beiden sollen alle nachfolgenden Geschlechter abstammen.

Schicksal ist kein Zufall

Je intensiver man sich mit dem eigenen Stammbaum beschäftigt, je mehr man über die Vorfahren als Individuen in Erfahrung bringen kann, desto deutlicher treten bestimmte Themen hervor. Meist handelt es sich um ganz charakteristische Familien-Themen wie zum Beispiel ungelöste Probleme oder Konflikte. Sie bleiben „unerlöst“ und werden an die nächsten Generationen weiter gegeben. Es scheint also kein Zufall zu sein, dass eine Familie immer wieder durch ähnliche Probleme belastet, von ähnlichen Schicksalsschlägen getroffen wird. Ein klassisches Beispiel ist der frühe und oft jähe Verlust der Ehemänner bzw. der Väter. Wir können die Entwicklungen, beispielsweise während der Weltkriege, nachvollziehen. Doch oft setzt sich das Phänomen merkwürdiger Weise auch noch nach den Kriegen fort.

Die Ahnen sprechen zu uns

Wiederholen sich solche Muster im eigenen Stammbaum? Dann ist das immer eine Aufforderung, ganz genau hinzusehen. Solche Familien-Themen drängen nach Aufarbeitung und Erlösung. Sie zwingen zur Wiederholung, solange die Trauerarbeit nicht vollzogen wurde.

Auch unsere Vorfahren waren wie wir nur Menschen. Sie haben manchmal großes geleistet und uns vielleicht sogar ein ansehnliches materielles Erbe hinterlassen. Aber mitunter haben sie auch gravierende Fehler begangen. Auch diese gehören, ebenso wie deren Folgen, zu unserer Hinterlassenschaft. Den Schatz, der in so einem Erbe verborgen liegt, können wir nur heben, wenn wir die Verstorbenen mit ihren Fehlern annehmen lernen. Auf diese Weise sprechen die Ahnen tatsächlich zu uns. Wenn wir zuhörten, könnten wir so vieles über uns selbst erfahren. So tragen die Vorfahren zu unserer Ganzwerdung bei, obwohl sie selbst schon lange das Zeitliche gesegnet haben.

Syrien KriegGeschichte, Theorie und Wahrheit

Geschichte prägt Kultur. Sie beeinflusst das Kollektiv, aber auch jeden Einzelnen von uns. Historische Fakten, seien sie auch wissenschaftlichen fundiert, sind jedoch nur unzulängliche Abbilder der Wirklichkeit. Die Geschichte der Menschheit ist eine Geschichte der Kriege und der Gewalt. Sie ist aber auch eine Geschichte der Bewusstwerdung und der geistigen Evolution. Je nachdem, welche Perspektive wir einnehmen. Tatsächlich ist beides wahr: Immer mehr Menschen kamen in den Genuss politischer Rechte. Auch wenn sich diese Entwicklungen manchmal über Jahrhunderte erstreckten und mitunter recht grausam vonstatten gingen.

Das Dilemma der Geschichtsschreibung besteht darin, dass wir das Einfache bevorzugen und das Geschriebene gerne für wahr nehmen. Es nistet sich in unseren Gehirnwindungen ein, je öfter wir es lesen oder in einem anderem Kontext bestätigt finden. Doch Wahrheiten sind immer relativ. Sie werden nicht etwa wahrhaftiger dadurch, dass einer sie vom anderen abschreibt. Die Bewertung historischer Ereignisse kann individuelle vollkommen unterschiedlich ausfallen. Je nach Standpunkt des Betrachters und seinem kulturellen Bezug und Wertesystem.

Ein Geschichtsschreiber der arabischen Welt wird die Kreuzzüge ganz sicher anders darstellen, als ein christlich-abendländisch geprägter Historiker. Ein Syrer hat gewiss einen anderen Standpunkt zur Geschichte seiner Heimat als ein US-Staatsbürger fernab der Geschehnisse. Selbst dann, wenn beide sich um Objektivität bemühen.

Aber auch ein und derselbe Mensch ändert seine Standpunkte im Laufe des Lebens: Bereichert durch Wissen, Erfahrung und Einsicht reflektiert beispielsweise der 34-jährige Barack Obama in seiner Biografie seine Sichtweisen als 20-Jähriger:

Meine Ansichten kleidete ich in Theorien, die ich irgendwo gelesen hatte, in der irrigen Annahme, sie könnten allein dadurch als einigermaßen bewiesen gelten. Doch wenn ich nachts im Bett lag, entglitten mir die Theorien, wurden ersetzt durch romantische Bilder einer Vergangenheit, die nicht die meine war.“

HautfarbeKultur ist mehr als eine Hautfarbe

Die Kultur, in der wir leben formt uns. Wer in Deutschland lebt, wird über kurz oder lang zum Deutschen, in Amerika wird er zum Amerikaner und in Afrika zum Afrikaner. Kultur erzwingt Anpassung. Abweichungen von der Norm machen zum Außenseiter, erzeugen ungute Gefühle, ja sogar Schuldgefühle.

Tabu in den Köpfen

In jeder Kultur herrschen ungeschriebene Gesetze. Manche davon sind mit einem starken Tabu belegt wie Beschneidungsrituale oder die Blutrache. Der Sinn solcher Regeln darf nicht hinterfragt werden. Werden sie gar zu Natur- oder Gottesgesetzen erklärt, sind sie besonders prägend. Alle Kulturen benützen solche Normen, weil sie die gewünschten Strukturen festigen. Je länger die Regeln Geltung besitzen, desto hartnäckiger halten sie sich in den Köpfen. Selbst dann, wenn sie längst abgeschafft wurden - die Apartheid zum Beispiel oder die Unterdrückung der Frau.

Angst lässt Kultur erstarren

Tief sitzende Urängste verfestigen überholte Normen in allen Kulturen besonders stark. Die Angst vor dem Fremden beispielsweise: Xenophobie ist Teil unserer biologischen Mitgift. Sie hat sich über Jahrtausende als Überlebensstrategie bewährt. Solche prägenden Erfahrungen einer Kultur kann man nur überschreiben, indem man aktiv durch gezielte Prozesse der Bewusstmachung entgegenwirkt. Einige Herrscher benützen solche Grundzüge der menschlichen Natur allerdings für ihre eigenen Zwecke. Sie projizieren die Kernprobleme der eigenen Kultur auf Außenstehende: Das Fremde wird zum Zerrbild nicht integrierter eigener Anteile.

Auch der ehemalige US-Präsident Barack Obama ist tief geprägt von der Kultur Amerikas. Er schreibt in seiner Biografie, er sei als junger Mensch geradezu besessen gewesen von der Idee, die Angst der Weißen vor den Schwarzen zu verstehen, „um diese Krankheit heilen zu lernen“. Er erkannte jedoch, dass er in der Angst der Anderen nur seine eigene Angst gesehen hat. Obama begriff, dass er zuerst lernen musste, sich selbst zu verstehen. Die Geschichte des US-amerikanischen Bürgerrechtlers Malcolm X, der es sich zur Lebensaufgabe gemacht hatte, den Rassismus anzuprangern, lehrte ihn, dass eine Überidentifikation mit der eigenen Kultur problematisch werden kann. Das brachte Obama schließlich zu der Einsicht:

Meine Identität mag mit meiner Hautfarbe beginnen, aber sie hört nicht dort auf, kann dort nicht aufhören.“

Das kollektive Unbewusste, Sea, Eduard Tomek 1971Das kollektive Unbewusste

Carl Gustav Jung ging noch einen Schritt weiter als sein zeitweiliger Wegbegleiter Sigmund Freud: Er attestierte der gesamten Menschheit ein „kollektives Unbewusstes“. Sie sei geprägt durch einen Mangel an „Selbstsein“ und dieses Defizit sei auf den „Verlust der religiösen Wurzeln“ zurückzuführen.

Jung geht davon aus, dass das kollektive Unbewusste in gewisser Weise dem individuellen Unbewussten entspricht. Es reiche bis in zu Anfängen des Menschseins zurück. Genau wie unsere biologische Mitgift werde es „vererbt“, also von Generation zu Generation weitergegeben. Wir können uns das kollektive Unbewusste vorstellen wie einen gigantischen Speicher. Nach Carl Gustav Jung ist es während der gesamten menschlichen Evolution vom Tier- zum Geistwesen entstanden und wird aus vielen Quellen gespeist.

Wir alle tragen die stammesgeschichtlichen Erfahrungen unserer Ahnen, die charakteristischen Wesenszüge der Art Mensch, die Stimme einer unbeeinflussten Urnatur in uns. Diese strebt gemäß C. G. Jung nach Ganzwerdung. Als Ganzwerdung oder auch „Individuation“ bezeichnet Jung den Prozess eines Menschen, der sich mit dem eigenen Selbst verbindet, indem er seine Persönlichkeit durch Selbsterkenntnis weiterentwickelt. Dieses Streben sei ein Drang, der in jedem Menschen angelegt sei.

Das kollektive Unbewusste zeigt sich in den Archetypen. Sie begleiten den Menschen seit Anbeginn seiner Entwicklung und begegnen uns in Märchen, Mythen und den Träumen von Vertretern aller Kulturen. Das kollektive Unbewusste zeige sich jedoch auch immer wieder von seiner dunklen Seite. So wie beispielsweise in der „Massenpsyche“, die während der beiden Weltkriege „die Oberhand gewonnen“ habe - und immer wieder gewinnen kann, wie Jung warnt. Eine Gesellschaft könne "moralisch und intelligenzmäßig zu einem großen, dummen und gewalttätigen Tier verkommen". Der Einzelmensch werde dann vom kollektiven Bewusstsein gleichsam aufgesogen.

Freud SofaFreud: Das Ich und das Unbewusste

Die erste große Kränkung der Menschheit war nach Sigmund Freud die kopernikanische Wende. Bis dahin glaubte man, die Erde sei der Mittelpunkt des Universums. Die zweite fügte Darwin der Menschheit zu: Er sagt, der Mensch stamme vom Tier ab und widerlegt damit das Dogma der göttlichen Schöpfung.

Die dritte große Kränkung, so Freud, habe er der Menschheit selbst zugefügt. Indem er behauptete, das ICH sei nicht „Herr im eigenen Haus“. Im Rahmen seiner Psychoanalyse entwickelte er die Theorie, dass das bewusste Denken nur einen kleinen Teil der Informationsverarbeitung im Gehirn ausmache. Freud verlieh damit erstmals in der Geschichte dem Unbewussten jene große Bedeutung, die ihm - auch nach den aktuellen Erkenntnissen der Neurowissenschaften - bis heute zusteht.

Unser Gehirn arbeitet aus Gründen der Effizienz sehr rational. Deswegen entsorgt es viele Informationen auf eine Art externe Festplatte. Weil sie für unser Überleben nicht unmittelbar notwendig sind und unser System überlasten würden. Aber auch deswegen, weil bestimmte Informationen unsere Entwicklung und unser Überleben gefährden könnten. Dazu gehören beispielsweise traumatische Erlebnisse in der frühen Kindheit.

Trauma und Verdrängung

Ein Kind, dessen Mutter bei der Geburt stirbt, hat nicht die Möglichkeit, diesen Schicksalsschlag bewusst zu verarbeiten. Ein solches Trauma kann durchaus lebensbedrohlich sein. Es muss verdrängt werden und wird ins Unbewusste abgeschoben. Später kommen peinliche Gefühle hinzu und alles, was große Angst erregt, Triebe und Instinkte, Wünsche, die wir uns aus Scham verbieten und alle anderen (noch) nicht lösbaren inneren Konflikte. Diese Inhalte sind nicht verloren. Sie wirken sich auf unser Leben aus, ohne, dass wir uns dessen bewusst sind. Sie beeinflussen unsere Emotionen und unser Verhalten.

ICH und ES

Herrscher über unser Sein und Handeln aus dem Unbewussten ist nach Sigmund Freud das „ES“. Das ES ist eine mächtige Instanz und eine der tragenden Säulen unserer Persönlichkeit. Freud prägt in seiner Psychoanalyse die Formel:

Wo ES war, soll ICH werden.“

Je mehr sich ein Mensch bewusst wird, welche Energien aus dem ES auf ihn einwirken, desto größer wird sein persönlicher Freiheitsgrad. Er kann endlich er selbst sein.

Amöbe EvolutionDer Mensch – ein Fehler der Natur?

Am Anfang war die Amöbe. Von der Amöbe bis zum heutigen Menschen war es ein ziemlich langer Weg. Ein Weg, der nur möglich wurde durch Veränderung - denn Stagnation bringt nichts Neues hervor.

Das Darwinsche Prinzip gilt bis heute

Mutation und Selektion sind der Motor der Evolution. Nichts ist beständiger als die Veränderung. Kleine Fehler in der Fortpflanzung führen zu immer neuen Variationen des Lebens. Die Auswahl erfolgt nach pragmatischen Kriterien: Was nicht überlebenstüchtig ist, wird verworfen.

Der Irrtum ist Teil des Plans

Die Amöbe und der Mensch haben bis zum heutigen Tage überlebt. Unsere Existenz verdanken wir einer schier unendlichen Aneinanderreihung von Fehlern. Doch die Evolution kennt keine sinnlosen Versuche. Der Irrtum ist Teil des Plans. Ohne die schöpferische Genialität des Fehlers hätte der Mensch nie entstehen können.

Fehler offenbaren Möglichkeiten jenseits unserer begrenzten Vorstellung. Sie machen dadurch Entwicklung überhaupt erst möglich. Auf dem Wege der Evolution entwickelte sich auch das Bewusstsein des Menschen. Es muss also auf irgend eine Weise für unser Überleben nützlich sein. Andernfalls wäre diese Spielerei der Natur längst im evolutionären Nirwana gelandet. Charles Darwin bezog sich vor allem auf unser biologisches Erbe, aber auch auf unser geistiges Vermögen, auf Gefühle und Ausdrucksweisen. Seine Theorien waren ketzerisch. Die Lehre von der Abstammung des Menschen vom Tier stellte das damals herrschende Dogma der göttlichen Schöpfung in Frage. Sigmund Freud bezeichnete seine Theorie daher als die zweite große Kränkung der Menschheit nach der kopernikanischen Wende. Bis dahin durften sich unsere Vorfahren als Kinder Gottes fühlen. Darwin verwies sie auf den Boden der Tatsachen, indem er sagt: „Eure Vorfahren waren Affen!

WasserCorona und die Ärmsten der Armen: Kein Wasser – keine Hygiene

Der Wasserverbrauch weltweit pro Jahr liegt bei etwas über 4 000 000 000 000 000 Liter. Die Grenze der nachhaltigen Nutzung überschreiten wir regelmäßig Anfang August. Im Jahr 2020 vermutlich etwas später, weil mit der Corona-Pandemie die Produktion weltweit einbrach.

7 800 000 000 Menschen zählt die Welt derzeit. Es sollte also genug für alle da sein. Rein rechnerisch stehen jedem gut 500 Kubikmeter zu. Leider ist es faktisch etwas komplizierter:

85 Prozent der Menschen leben in den trockensten Gebieten unseres Planeten. In Afrika müssen viele mit 20 Litern Wasser am Tag auskommen. Nur für die Ernährung und um Krankheiten durch Hygiene zu vermeiden braucht man ungefähr 50 Liter am Tag.

Nur zum Vergleich: 120 Liter Wasser verbraucht jeder Deutsche pro Kopf und Tag. Wir planschen im Pool, waschen unsere Autos und spielen Golf. Bei uns rauschen täglich 40 Liter nur für die Toilettenspülung durch die Leitung.

4 000 000 000 Menschen auf unserem Planeten leiden mindestens einen Monat im Jahr an Wassermangel. 785 000 000 Menschen weltweit haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser.

Wir verbrauchen 120 Liter reelles Wasser. Wasser, das direkt bei uns aus der Leitung kommt. Dazu kommt der Verbrauch an virtuellem Wasser. Das ist Wasser, das wir indirekt nutzen. Zum Beispiel bei der Produktion von Nahrung und Konsumgütern. Steaks. Kaffee. Klamotten aus Baumwolle. Auf jeden Deutschen kommen 4 000 Liter pro Tag. 70 Prozent dieses Wassers befindet sich außerhalb unserer Landesgrenzen.

250 000 000 000 000 Liter Wasser plätschern jährlich in den Bauwollanbau. Man braucht 11 000 Liter Wasser, um 1 Kilo Baumwolle herzustellen. 15 000 für 1 Kilo Rindfleisch, 1 300 für 1 Kilo Weizen.

Die Weltbevölkerung nimmt zu. Der Wasserverbrauch steigt weiter. Immer weniger Menschen haben Zugang zu sauberem Trinkwasser und sind von Hunger bedroht. Krankheiten treffen sie ohnehin schon schlimmer als alle anderen Menschen auf der Welt. Eine Pandemie stellt sie vor ein unlösbares Problem...