Frankenrechen

Drei rote, nach oben zeigende Zacken auf weißem Grund - das ist für viele Franken das Identifikation stiftende Symbol schlechthin. Heraldisch (nach der Wappenkunde) betrachtet liegen die Zacken übrigens auf silbernem Grund, denn die Farbe Weiß existiert in der Fahnenlehre nicht.

Der Rechen greift ein klassisches Muster auf: Die drei aufwärts gerichteten roten Zacken symbolisieren die göttliche Dreifaltigkeit: Vater, Sohn und den Heiligen Geist. Die silbernen Zacken zeigen gen Boden und stehen demnach für die Erde mit ihren vier Himmelsrichtungen.

Offiziell gibt es die Franken gar nicht

Ein bischöflicher Fürst des Erzbistums Würzburg hat sich den Rechen im 14. Jh. zu Eigen gemacht und sich fortan als „Fürst der Franken" bezeichnet. Seither taucht der Rechen in den verschiedensten fränkischen Wappen auf. Da es aber nach den Karolingern nie mehr ein offizielles Frankenland gab, wurde er als Wappen auch niemals staatlich anerkannt.

Gerade in den letzten Jahren setzten sich traditionsbewusste Landsleute verstärkt für die Frankenfahne ein. In verlässlicher Regelmäßigkeit schwillt ihr latentes Raunen zu einem unüberhörbaren Gebrüll an, wenn der „Tag der Franken" vor der Haustür steht. Ein offizieller Feiertag ist das nicht. Gefeiert wird trotzdem und zwar seit 2006 alljährlich am 2. Juli.

Flagge „zweiter Klasse“

Im Jahr 2012 konnten die „Rächer des Rechens" einen Erfolg verbuchen: Das rotweiße Banner darf seither am Tag der Franken vor Rathäusern, Regierungsgebäuden und Gerichten in ganz Bayern wehen. Den Verantwortlichen steht es frei, nach Gusto zu beflaggen.

Die Franken dürfen also wieder Flagge zeigen, allerdings nur inoffiziell, denn sie ist nicht „staatlich", sondern lediglich ein Mittel der regionalen Öffentlichkeitsarbeit. Der Rechen darf nämlich laut Beschluss des bayrischen Landtages vom April 2012 nicht in Konkurrenz zu den hoheitlichen Flaggen stehen. So fristet der fränkische Rechen auch in Zukunft ein Schattendasein neben weiß-blau, schwarz-rot-gold und der Europafahne. Aber er darf sich zumindest sehen lassen.

Franken ist nicht Bayern

Hätten Sie übrigens gewusst, dass der Frankenrechen überhaupt erst mit der Überschreibung Frankens an die bayrischen Herrscher im Jahre 1806 zu einem Identifikationsstifter wurde? Zuvor tauchte er zwar schon knapp 500 Jahre in den verschiedensten Siedlungsgebieten der Franken im heutigen Nordbayern, Baden-Württemberg und Hessen auf. Doch als Symbol für das Frankenland oder zumindest als repräsentierendes Zeichen für die Volksgruppe der Franken gibt es ihn erst seit seiner Aufnahme in das große bayrische Staatswappen.

Haben gar die Bayern dem Rechen erst zu Geltung verholfen? Es kann zumindest nicht hundertprozentig ausgeschlossen werden. Andererseits gibt es wenige Faktoren die so identitätsstiftend sind wie Abgrenzung. Und die traditionellen Franken sehen sich nun einmal nicht als Bayern, sondern als eigenständige Bevölkerungsgruppe. Der Rechen ist ein Symbol, auf das sich die Franken geeinigt haben und das sie mit Stolz hochhalten.

PflasterDer Minister des preußischen Königs in Ansbach, Freiherr von Hardenberg wollte um die Jahrhundertwende Nürnberg in das preußisch-fränkische Gebiet eingliedern. Er besetzte die Stadt mit Zustimmung der Nürnberger, die damals sehr viele Schulden hatten und sich von den Preußen Unterstützung versprachen. Damit war aber der König nicht einverstanden, weil ihm das Ärger mit dem Kaiser hätte einbringen können. Hardenberg musste sich also etwas Neues einfallen lassen und weil er Nürnberg nicht kriegen konnte, nahm er eben den Ort, der in Franken ansonsten wirtschaftlich am Wichtigsten war, nämlich Fürth.

Alle Neuerungen und Fördermittel kamen nunmehr der kleinen Nachbarsstadt zugute und Nürnberg hatte das Nachsehen. Die Fürther erhielten eine Bank, Hardenberg verteidigte die Gewerbefreiheit und er wollte eine Straße bauen und - das war damals ungewöhnlich - sie sollte gepflastert sein. Die Steine bestellte man in Wendelstein, wo sich ein Steinbruch mit sehr hartem Gestein befand, der auch dafür berühmt war, die schönsten Mühlsteine weit und breit zu liefern.

Hardenberg erteilte ein Auftrag über eine Million Pflastersteine. 20 Gulden pro 1000 Stück sollten diese kosten. Preußen bezahlte jedoch nur 15 Gulden, die übrigen fünf, welche an die Stadt Nürnberg als Eigentümerin des Steinbruchs berappt werden sollten, schenkte sich Hardenberg. Er argumentierte, dass nur das Gebiet mit der Mauer drum herum Stadt sei und das Nürnberger Land zum preußischen Besitz gehöre, weswegen die preußische Verwaltung gar nicht daran denke, der Forderung nachzukommen.

Das wiederum ärgerte die Nürnberger, welche die Straße ohnehin nicht wollten, ganz furchtbar. Sie überhäuften also den Steinbruch mit so vielen Aufträgen, dass dieser keine Zeit mehr hatte, Steine für die Straße zu produzieren. Hardenberg verbot daraufhin die Herausgabe von Gestein an Fremde, was die Nürnberger wiederum so erboste, dass sie versuchten, die Steine nachts heimlich aus dem Steinbruch nach Nürnberg zu transportieren, doch die preußischen Soldaten standen bereits vor dem Tor und fingen die Steine ab. Für die so beschlagnahmte Ware zahlten sie übrigens gar nichts. So ging es noch eine ganze Weile hin und her, doch Preußen hatte den längeren Atem - drei Jahre später war die Straße fertig.

SpiegelEin Schelm, wer da leugnet, dass sich hinter den Boshaftigkeiten zwischen den beiden ungleichen Nachbarn nicht nur das berühmte Körnchen Wahrheit, sondern immer auch eine gehörige Portion Neid verbirgt. Denn die Nürnberger genossen recht lange die Privilegien einer Reichsstadt, doch irgendwann standen die strengen Regeln zum Beispiel die Zünfte betreffend auch der Innovationskraft im Wege. Im 18. Jahrhundert ging es mit Nürnberg wirtschaftlich bergab. Viele Handwerker zog es nach Fürth, weil man es dort mit dem Zunft- und Gewerbezwang nicht ganz so genau nahm wie in der Reichsstadt. So ging zum Beispiel auch der erste Spiegelhersteller von Nürnberg nach Fürth, um dort das erhabene deutsche Spieglein herzustellen. Hatte man nämlich bis dahin Spiegel in Form einer Glasskugel produziert, so konnte man nun dank einer neuen Technik flaches Glas herstellen. Und das hatte einen sehr viel besseren Spiegeleffekt.

Diese Herstellungsweise war nach der Handwerksordnung in Nürnberg verboten, in Fürth aber erlaubt. Und so kam es, dass die Handwerker in Fürth sich viel besser an den Bedürfnissen der Konsumenten orientieren und dadurch auch marktgerechter produzieren konnten. Das wiederum brachte der Stadt einen bemerkenswerten Aufschwung. Die Juden, die von den Nürnbergern vertrieben und ebenfalls nach Fürth abgewandert waren, taten ihr übriges dazu mit ihren Geld und ihren Kontakten. Sie machten die Waren der Fürther Handwerker in ganz Europa bekannt und gemeinsam bescherten sie der Fürther Wirtschaft Erfolg und Wachstum und machten der Reichsstadt ordentlich Konkurrenz.

Kein Wunder also, dass in einer Fürther Chronik von 1778 nachzulesen steht, die Stadt Fürth habe einen schlechten Ruf, weil die Nürnberger ihr nachsagen, dass sie ihr „in commercio", also in Handelsdingen schadeten. Die Reichsstadt war aber auch mit den Jahren ein wenig behäbig geworden und stand sich mitunter auch selbst im Wege wie zum Beispiel beim so genannten „Pflasterkrieg".

Henkershaus NuernbergZimperlich war man im Mittelalter nicht. Zu den nettesten Strafen gehörte damals noch das Kitzeln: Der Delinquent wurde auf ein Brett gelegt, festgebunden und dann vom Scharfrichter mit einer Feder an den Fußsohlen gekitzelt. Nicht ganz so lustig war dagegen der Pranger. Aber auch da war Nürnberg wieder einmal besonders progressiv, denn es gab neben dem Hauptpranger und dem Bauernpranger sogar einen eigenen Frauenpranger. Frauen genossen außerdem das Privileg, dass sie ihr Gesicht verhüllen durften. Immerhin...

Volksbelustigung am Hauptmarkt

Je nach Straftat mussten die Angeprangertern unterschiedlich lange ausharren. Sie bekamen ein Schild umgehängt, auf dem geschrieben stand, was sie verbrochen hatten. Das war aber nicht wirklich schlimm, weil damals sowieso keiner lesen konnte. Außerdem durften die Passanten sie mit Abfall bewerfen. Ein guter Grund, gelegentlich über den Hauptmarkt zu schlendern. Steine werfen, schlagen und treten war verboten. 

Das Diensttagebuch eines Henkers

Die Chancen, die Prozedur am Pranger zu überleben, standen also gar nicht mal so schlecht. Pranger gab es nur leichte Straftaten wie Liederlichkeit und Betteln. Schwerwiegendere Vergehen wurden durch Erhängen geahndet, denn dabei handelte es sich um die kostengünstigere Lösung - im Gegensatz zur Verbrennung. Ins Gefängnis kam man ohnehin nur, wenn es sich für die Stadt rechnete. In den Kerker brachte man beispielsweise Schuldner. Allerdings auch nur dann, wenn die Aussicht bestand, dass sie ihre Schulden auch wirklich tilgen konnten. Auch Geiseln, die in der Schlacht gefangen genommen worden waren, genossen dieses Privileg - bis zur Zahlung eines Lösegelds. Und damit das alles mit rechten Dingen zugeht, führte unser Nürnberger Scharfrichter und oberster Folterknecht sogar ein Diensttagebuch. Darin kann man bei einer Besichtigung seine ehemalige Dienstwohnung im Henkerturm am Trödelmarkt heute noch schmökern.

Lorenzkirche Schoner Brunnen mDie Pest hatte grausam in Nürnberg gewütet. Viele Menschen waren dem Schwarzen Tod zum Opfer gefallen und es gab fast keine Kinder mehr. Die Stadt drohte auszusterben und die Ratsherren waren voll der Sorge darüber, wer in Zukunft ihr Säckel füllen sollte. Da meldete sich ein Schreiber und wies darauf hin, dass fast alle Gewässer der Stadt verunreinigt seien. Er schlug vor, einen Brunnen zu bauen, der nur das reinste Wasser führt. Dann würde auch Meister Adebar bald wieder kommen und viele gesunde Kinderlein bringen. Die Ratsherren machten sich zwar lustig über das kleine Schreiberlein, den Brunnen bauten sie aber dennoch. Er bekam sogar eine eigene Wasserleitung, gespeist aus zwei Quellen in Gleishammer. 

Der Lehrling und die Tochter des Meisters

1587 errichtete Meister Paulus Kuhn das schmiedeeiserne Gitter um den Schönen Brunnen herum. Nun begab es sich aber damals, dass sich ein Lehrling in seine hübsche Tochter Margret verguckte. Der Meister war gar nicht angetab, weil er sich ein bessere Partie für seine Tochter wünschte. Er warf den armseligen Habenichts hinaus und rief ihm nach:  "Daraus wird ein für allem nichts! So wenig wird etwas daraus, wie du es fertig bringst, dass die Ringe am Brunnengitter sich drehen können!" Das wollte der Lehrling nicht auf sich sitzen lassen. Er schmiedete heimlich einen Ring und sägte ihn so zu, dass er sich ins Gitter einfügen ließ. Dann hämmerte und lötete er so lange daran herum, bis die Schnittstelle nicht mehr zu sehen war. Als der Meister den Ring sah, der sich wie von Zauberhand drehen ließ, biss er sich fast in den Hintern, weil er so einen guten Handwerker hatte ziehen lassen. Er hätte ihn gerne wieder eingestellt, doch der Lehrling war längst über alle Berge und hatte gewiss längst irgendwo anders sein Glück gefunden. Margret dagegen war untröstlich und machte ihrem alten Herrn die Hölle heiß. 

Storch Adebar bringt reichen Segen

Noch heute kann man am Schönen Brunnen in Nürnberg viel Spaß mit dem Ringlein haben. Das fängt meist schon damit an, dass sich die Touristen grundsätzlich vom Gold blenden lassen und am falschen Ring drehen. Da genügt dann meist ein kurzer, freundlicher Hinweis. Dann können Sie den auswärtigen Gästen noch eine Weile dabei zusehen, wie sie den richtigen Ring suchen. Wenn sie ihn dann endlich gefunden haben, wird gedreht und gedreht und dann lohnt es sich immer, einmal nachzuhaken: Wissen Sie denn eigentlich, was Sie sich gerade gewünscht haben?Große Augen mit Fragezeichen... Dabei sitzt er direkt über dem Ring, der Meister Adebar, und trägt ein kleines Kind im Schnabel. Spätestens dann dämmert es den meisten so langsam. 

Auch lesenswert: Der Schöne Brunnen auf dem Nürnberger Hauptmarkt

 

schoener brunnenAuf dem Haupmarkt in der Sebalder Altstadt steht eines der Wahrzeichen Nürnbergs: Der Schöne Brunnen. Die Planungen gehen schon auf die Zeiten Kaiser Karls IV. um 1370 zurück. Die Brunnenpyramide sollte Bestandteil des neuen Marktplatzes werden, der an der Stelle des ehemaligen Judenviertels errichtet wurde. Mit seinen reichen Verzierungen ist die ca. 19 Meter hohe gotische Brunnen-Skulptur eine der Haupt-Attraktionen der Nürnberger Innenstadt. Im den pyramidenartig übereinander liegenden Stockwerken des Brunnens sind die sieben Kurfürsten und jeweils drei christliche, jüdische und heidnische Helden dargestellt.

Entstehungsgeschichte und Symbolik

Der Schöne Brunnen entstand zwischen 1385 und 1396. Er ist somit einer der ältesten Brunnen Nürnbergs. Errichtet wurde er durch den Baumeister Heinrich Beheim. Die Fiale des Schönen Brunnens hat vier Etagen. Jede von ihnen ist mit allegorischen Figuren und Personen bestückt: Die erste mit Allegorien der Philosophie und der Freien Künste, gefolgt von den Evangelisten und lateinischen Kirchenvätern. Die sieben Kurfürsten und neun Helden zieren die dritte Reihe und in der obersten Etage finden Moses und sieben Propheten Platz. 

Für den Betrieb des Brunnens wurde eigens eine Wasserleitung vom Gleißhammer zum Hauptmarkt verlegt - die Schönbrunnleitung. 1587 erhielt der Brunnen ein schmiedeeisernes Schutzgitter. Geschmiedet hat es der Augsburger Kunstschlosser Paulus Kuhn. Dank der Proteste zahlreicher Nürnberger Künstler und Bürger blieb das Gitter beim Übergang Nürnbergs an Bayern 1811 erhalten. Albert Leipold setzte es 1902 instand und fügte auch den drehbaren Ring ein, um den sich heute so viele Mythen ranken. Drei Wünsche sollen demjenigen erfüllt werden, der am goldenen Ring dreht, so der Volksmund. Und wenn er dreimal dreht wird er mit reichem Kindersegen belohnt.

Der Sandstein, aus dem der Brunnen ursprünglich erbaut wurde, verwitterte stark. Also entschloss man sich dazu, im Jahre 1897 eine komplette Kopie anzufertigen. Dabei wurde der Sandstein durch Muschelkalk ersetzt. Die alten Sandsteinfiguren wurden damals teilweise ins Germanische Nationalmuseum gebracht, einige aber auch in die Staatlichen Museen Berlin.

 

sachs ehekarussell gedichtDieses Gedicht über das bittersüße Auf und Ab des Ehelebens widmete Meistersinger Hans Sachs (1494-1576) seiner lieben (?) Gattin. Aus eigener freud- und leidvoller Erfahrung wie es scheint. Denn die Inschrift auf dem Nürnberger Brunnen „Ehekarussell“ beschreibt ebenso drastisch wie die dazu gehörigen Skulpturen die Szenen einer Ehe von anfänglicher süßer Leidenschaft über einen bitteren Rosenkrieg bis hin zum Tod:

Das bittersüße ehlich' Leben
Gott sei gelobet und geehrt
Der mir ein frumb Weib hat beschert
Mir der ich zwei und zweinzig Jahr
Gehaust hab, Gott gab länger gar
Wiewohl sich in mein ehlig Leben
Had Süß und Saures oft begeben
Gar wohl gemischt von Freud und Leid,
Erst auf, dann ab, ohn Unterscheid
Sie hat mir nit stets kochet Feigen
Will schwankweis Dir ein Teil anzeigen

Sie ist ein Himmel meiner Seel
Sie ist auch oft mein Pein und Hell,
Sie ist mein Engel auserkoren,
Ist oft mein Fegeteufel woren.
Sie ist mein Wünschelrut und Segen
Ist oft mein Schauer und Platzregen
Sie ist mein Mai und Rosenhag,
Ist oft mein Blitz und Donnerschlag,

Mein Frau ist oft mein Schimpf und Scherz,
Ist oft mein Jammer, Angst und Schmerz,
Sie ist mein Wonn und Augenweid,
Ist oft mein Traurn und Herzeleid
Sie ist mein Freiheit und mein Wahl,
Ist oft mein Gfängnis und Notstall,
Sie ist meine Hoffnung und mein Trost,
Ist oft mein Zweifel, Hitz und Frost.

Mein Frau ist meine Zier und Lust,
Ist oft mein Graun und Suppenwust,
Ist oft mein königlicher Saal,
Doch auch mein Krankheit und Spital.
Mein Frau, die hilft mir treulich nähren,
Thut mir auch oft das Mein verzehren,

Mein Frau, die ist mein Schild und Schutz,
Ist oft mein Frevel, Stolz und Trutz.
Sie ist mein Fried und Einigkeit,
Und oft mein täglich Hebensstreit
Sie ist mein Fürsprech und Erlediger,
Ist oft mein Ankläger und Prediger.

Mein Frau ist mein getreuer Freund,
Oft worden auch mein größter Feind,
Mein Frau ist mietsam oft und gütig,
Sie ist auch zornig oft und wütig.

Sie ist mein Tugend und mein Laster,
Sie ist mein Wund und auch mein Pflaster,
Sie ist meines Herzens Aufenthalt,
Und machet mich doch grau und alt.

ehekarussellSeit 1984 steht das Ehekarussell an seinem Platz vor dem Weißen Turm am Ludwigsplatz. Gestaltet und erbaut wurde es vom Bildhauer Jürgen Weber aus Marmor und Bronze. Vom ersten Tag an provozierte der Brunnen heftige Diskussionen: Die schamlose Nacktheit strapazierte das Nervenkostüm empörter Sittenwächter. Zudem waren die Nürnberger erbost über das ausufernde Budget für das Ehekarussell. Heute gilt es als eines der bedeutendsten neuzeitlichen Kunstwerke der Stadt und ist außerdem der größte europäische Figurenbrunnen des 20. Jahrhunderts.

Süße und grausame Szenen einer Ehe

Das Ehekarussell zeigt, wie der Name schon sagt, das bittersüße Auf und Ab des Ehelebens. Nach einem Gedicht, das Meistersinger Hans Sachs (1494-1576 ) seiner Frau gewidmet hat. Aus eigener freud- und leidvoller Erfahrung wie es scheint, denn es beschreibt ebenso drastisch wie die Skulpturen auf dem Ehekarussel die Szenen einer Ehe von anfänglicher süßer Leidenschaft über den bitteren Rosenkrieg bis hin zum Tod.

Das Kunstwerk ist einem Karussell auf dem Jahrmarkt nachempfunden, das sich mit seinen sechs Wagen im Kreise dreht: Drei zeugen von den süßen Seiten des Ehelebens, drei von den Bitteren. Männlichkeit und Weiblichkeit stehen sich gegenüber - in Form eines kraftvollen Ziegenbocks und einer Nymphe, die aus dem Wasser steigt. Am Anfang liegt der Mann vor der Frau auf den Knien und sie steht über ihn erhaben in einer Muschel wie eine Meerschaumgeborene, eine römische Venus. Er preist ihre Schönheit, mit der er sich gerne schmückt: „Mein Frau ist meine Zier und Lust”.

Die Frau wird zur Mutter, widmet sich im Pelikanwagen aufopfernd ihren Kindern. Der Gatte mimt derweilen immer noch den Filou. Er weilt mit dem Kopf in den Sternen, anstatt sich den familiären Pflichten zu widmen. Der Pelikan als Symbol der Mutter, die ihre Kinder füttert, reißt sich selbst das Herz aus dem Leib. Im nächsten Wagen ist der Mann nackt und bis auf die Knochen abgemagert. Er beklagt sein Schicksal. Seine Frau dagegen verschlingt üppige Tortenstücke und hat enorm an Leibesfülle zugelegt.

Das Karussell dreht sich weiter: Man sieht die Ehegatten nackt als Liebende auf einem Bett aus schnäbelnden Schwänen. Wieder eine Szene, die wie der gesamte Brunnen an Deutlichkeit kaum zu wünschen übrig lässt. Doch die Turteltäubchen sind alt geworden und im darauf folgenden Wagen aus Höllenfeuer auf Gedeih und Verderb in Ketten aneinander gefesselt. Und auch als beinahe schon verweste Gerippe führen sie auf ihrem Höllendrachen den Rosenkrieg auf ewig fort.

Dichter und Meistersinger Hans Sachs persönlich tanzt auf einer Säule über dem Ehefelsen, auf dem die sterblichen Überresten der Eheleute aufgebahrt liegen: Ein verendeter Bock und ein menschlicher Schädel als Symbol für die Frau. Die Inschrift auf dem Felsen lautet: „Bis der Tod euch scheidet".

Zum Gedicht "Hans Sachs: Das bittersüße ehlich' Leben (Volltext)"

gaensmaennleinDer Gänsemännchenbrunnen befindet sich seit 1945 in der Sebalder Altstadt, im Hof des alten Rathauses. Die berühmte Brunnenfigur wurde etwa 1540 aus Bronze gegossen. Sie steht in einer Schale aus Granit, umgeben von einem schmiedeeisernen Renaissance-Gitter. Gekleidet ist das Gänsemännlein ist im Stile des 16. Jahrhunderts - so wie die Bauern, die damals ihre Waren auf dem Marktplatz feilboten. Unter jedem Arm trägt es eine fette Gans. Aus deren Schnäbeln fließt klares Wasser.

Der Legende nach soll es sich dabei um einen Bauern aus dem Knoblauchsland gehandelt haben, der das Bier mehr mochte als das Wasser. Eines Tages ging ihm jedoch das Geld aus und die Gänse waren alles, was er noch besaß. Er machte sich mit dem Federvieh unter den Armen auf den Weg nach Nürnberg. Die Sonne brannte gnadenlos herab und er war ordentlich durstig. Die Gänse ahnten Schlimmes und wollten ihren Hals retten. Sie versprachen ihm, dass sie Wasser herbeischaffen würden, wenn er sie nur verschonte. Das durstige Bäuerlein stimmte in seiner Not zu und schon floss aus den Schnäbeln der Federtiere das reinste, klare Wasser.

Ein Fremder war hinzugekommen und sah verwundert zu. Der Gänsemann erzählte, was passiert war und er legte ein Gelöbnis ab: Von nun an wolle er nur noch Wasser und kein Bier mehr trinken. Er begab sich zurück auf seinen Hof und hielt Wort. Der Fremde war Pankraz Labenwolf, der kurz darauf den Brunnen baute. Als der Bauer eines Tages wieder einmal nach Nürnberg kam, staunte er nicht schlecht, weil sein eigenes Konterfei den Marktplatz zierte. 

Einer anderen Erzählung zufolge plante der Rat ein Bild der Heiligen Magdalis auf dem Obstmarkt errichten. Angeblich sei Labenwolf mit seinen Aufträgen nicht mehr hinterher gekommen und bot der Stadt den Gänsemännchenbrunnen als Ersatz dafür an. Zwar störten sich einige Räte am profanen Abbild eines einfachen Bäuerchens, doch der Künstler war bereits so berühmt, dass er sich durchsetzen konnte.

Fakt ist, dass das Gänsemännlein seit 1540 mitten auf dem Nürnberger Gänsemarkt stand und erst im frühen 19. Jh. an den Obstmarkt verlegt wurde. Kopien des Brunnens waren damals übrigens ein echter Exportschlager: Sie stehen in Meiningen, Weimar, Luzern und Thun. Sogar Geheimrat von Goethe hatte seinen eigenen „Entenmann“ aus Ton und selbst Ludwig II. war angetan von der Skulptur und orderte eine Kopie für Schloss Hohenschwangau. Heute gilt der Brunnen als bekannteste deutsche Bronzeplastik der Renaissance und eines der wertvollsten Denkmäler der Nürnberger Altstadt. Die Vorlage für die Brunnenfigur schnitzte Hans Peisser aus Holz. Sie befindet sich im Nürnberger Stadtmuseum Fembohaus.

 

ErdkugelDen Globus haben die Nürnberger 1492 erfunden. Zufällig genau in dem Jahr als Christoph Kolumbus Amerika entdeckte. Er dachte, er wäre in Indien gelandet. Mit der Erdkugel von Martin Behaim wäre er allerdings auch nicht viel besser dran gewesen. Amerika war nämlich damals auf den Landkarten noch gar nicht verzeichnet.

Die Menschen im Mittelalter waren nicht nur global etwas desorientiert, sondern auch ziemlich zeitlos. Und weil sich Peter Henlein jedesmal ärgerte, wenn die Kollegen zu spät zum Meeting kamen, erfand er 1510 das Nürnberger Ei - die bis dahin kleinste Uhr der Welt. Das Nürnberger Ei war eigentlich rund und hieß auch nur deswegen Ei, weil Ührlein auf fränkisch wie Eilein klingt. Kaum zu glauben, aber ohne die findigen Nürnberger gäbe es keinen Kompass, keine Klarinette und keine Fotografie, keinen Trans-Rapid in Shanghai und auch kein MP3.

Auch die erste deutsche Eisenbahnstrecke für den Personen- und Güterverkehr geht auf das Konto der Nürnberger. Sie wurde 1835 mit Dampfkraft und viel Gedöns in Betrieb genommen. Ausgerechnet nach Fürth fuhr der Adler damals. Kein Wunder, dass das Angebot so schlecht angenommen wurde.

Bei der ersten vollautomatisierten U-Bahn hat man schon dazu gelernt. Die fährt seit 2008, aber erst mal nur in Nürnberg. Ein bisschen unheimlich ist das schon - so ganz ohne Führer. Die Bahn wird nämlich von einem Computer gesteuert. Da kann man nur hoffen, dass das Betriebssystem nicht von Microsoft ist. Und weil uns das gar nicht geheuer ist, hat die VAG eigens Mitarbeiter zur psychologischen Betreuung der Fahrgäste ausgebildet, wo sie doch eigentlich Personal einsparen wollte. 600 Millionen Euro hat die Bahn gekostet. Also etwa soviel, wie 100 U-Bahn-Fahrer in 200 Jahren nicht verdienen.

Wo die Nürnberger vor über 200 Jahren auch schon wieder die Nase vorne dran hatten, das war die erste dauerhaft installierte elektrische Straßenbeleuchtung. Sie müssen sich das mal vorstellen: Überall in Deutschland stockdunkle Nacht, nur Nürnberg war hell erleuchtet. Während der Rest der Republik noch mit Kienspan und Funzel hantierte, flanierte der Nürnberger dank Sigmund Schuckert schon 1875 elektrisch illuminiert durch die nächtliche Altstadt.

Und weil man auf so einem Spaziergang im Winter nicht dauernd Hustensaft mit sich herumtragen kann, kam der Nürnberger Apotheker Dr. Carl Soldan 1923 auf die Idee, Eukalyptus und Menthol einfach in Bonbons zu verpacken. Das war die Geburtsstunde des weltberühmten Em-Eukal - „nur echt mit der Fahne"®, Es wurde sogar bis in die 50er Jahre hinein von Ärzten auf Rezept verordnet und wer hat's erfunden? Ein Nürnberger.

Anscheinend waren waren kratzende Hälse und Triefnasen damals in Nürnberg ziemlich verbreitet, denn auch das Tempo wurde wenig später in Nürnberg patentiert. Den weltweiten Siegeszug des Papiertaschentuchs aus reinem Zellstoff seit 1929 haben wir dem Herrn Oskar Rosenfelder, einem Mitarbeiter der Vereinigten Papierwerke, zu verdanken.

Aber die Bratwurst können die Nürnberger eben auch und zwar besonders gut. Viel besser als die Münchner ihre Weißwurst. Die Münchner Weißwurst ist nämlich jüngst vor dem Patentamt gescheitert. Die „Original Nürnberger Rostbratwurst" ist dagegen seit 2005 als geografische Herkunftsbezeichnung von der EU-Kommission geschützt. Nur Bratwürste, die im Stadtgebiet von Nürnberg und nach festgelegter Rezeptur gefertigt werden, dürfen diesen Namen tragen. Und wieder hat Nürnberg die Nase vorn!

EppeleinEppelein oder auch Appolonius von Gailingen fristete wie so viele Ritter und deren Spießgesellen ein karges Dasein, denn mit dem Ende der Kreuzzüge war der Glanz des Ritterstands dahin geschwunden.

Das Geschlecht der Geylinge lebte mehr schlecht als recht von den dürftigen Abgaben der Bauern und neidete den reichen Nürnberger Patriziern, deren Handel und Gewerbe aufs Einträglichste florierte, den zunehmenden Wohlstand. Seine Burg Dramaus soll hoch über dem Wiesenttal bei Muggendorf gelegen haben, doch selbst dies ist wie so vieles, was den fränkischen Eulenspiegel angeht, ungesichert.

Um sein mageres Lehen ein wenig aufzubessern, hat er wohl schon in den 1360er Jahren etliche Kaufmannszüge, die mit Handelsgütern beladen in die Reichsstadt unterwegs waren oder sie verließen, überfallen. Auch seine Possen trugen ihm dort einen sehr zweifelhaften Ruf ein. So soll er unter anderem in Nürnberg einen goldenen Vogelkäfig entwendet und die Braut eines wohlhabenden Patriziers auf ihrer Hochzeit überfallen und geküsst haben.

Wie Eppelein die Nürnberger foppte

Urkundlich vermerkt ist die Reichsacht, die das Nürnberger Gericht 1369 gegen ihn verhängte. Als er dann auch noch in einer Fehde an der Seite seines Lehnsherren, dem Grafen von Hohenlohe, gegen den Nürnberger Burggrafen kämpfte, hatten die Nürnberger endgültig genug von seinen Dreistigkeiten. Sie zerstörten seine Burg, ergriffen ihn nach kurzer Flucht in Forchheim und verurteilten ihn zum Tod am Galgen.

Wie seinerzeit üblich, soll er sich die Erfüllung eines letzten Wunsches erbeten haben, welcher ihm auch gewährt wurde: Er durfte noch einmal mit seinem geliebten Ross eine Runde auf der kleinen Burgfreiung drehen. Und bei dieser Gelegenheit soll der Eppelein dann zu einem so gewaltigen Satz ausgeholt haben, dass er seinen Häschern entrinnen konnte. Er sprang mit dem Ross auf die Burgmauer und von dort geradewegs auf die andere Seite des Burggrabens, von wo aus er spornstreichs in die Freiheit entfloh. Die Hufe des edlen Rosses, so die Legende, gruben sich beim Aufsetzen tief in den weichen Sandstein der Burgmauer ein und tatsächlich zeugt der Hufabdruck am Fuße der Burg bis heute von der Kühnheit der fränkischen Ritter.

Die Nürnberger hängen keinen ...

Eppeleins Bubenstück machte alsbald die Runde und er soll sogar noch einen oben drauf gesetzt haben: Er machte sich über die städtische Justiz lustig und frozelte: „Die Nürnberger hängen keinen, sie hätten ihn denn zuvor!" Doch die Freude über die neu gewonnene Freiheit währte nicht lange. Seine Verfolger stellten ihn alsbald in Postbauer. Er wurde gerädert und schließlich enthauptet. Was auch immer an der Geschichte dran sein mag - ein Robin Hood des fränkischen Ritterstands, wie später gern behauptet, war Eppelein gewiss nicht. Eine Legende scheint er schon zu seiner Zeit gewesen zu sein, denn die Gefangennahme des Raubritters war den Nürnbergern immerhin stolze 1000 Gulden wert.

Nuernberg Fuerth EisenbahnBis heute dauern die Animositäten zwischen den den fränkischen Nachbarsstädten an. Wer sie verstehen möchte, muss einen Blick in die Geschichte werfen: Das kleine Fürth sollte nämlich dem großen Nürnberg einverleibt werden. Betrieben wurde die Eingemeindung ausgerechnet vom damaligen Fürther Bürgermeister Theodor Kutzer, einem echten Bürokraten. Er sah den buchhalterischen Vorteil, nicht aber die Empfindlichkeiten der Volksseele.

Mal ganz abgesehen davon, dass die Nürnberger sich damals gar nicht sonderlich daran interessiert zeigten, waren die Fürther aufs äußerste erbost und gründeten sogar eine Bürgerinitiative, den „Verein zur Wahrung der Interessen der Stadt Fürth". Mit 64,8 % stimmten die Fürther Bürger im Januar 1922 gegen eine Eingemeindung.

1972 im Zusammenhang mit der bayerischen Gebietsreform tauchte die böse E-Frage erneut auf und wurde wieder erfolgreich abgeschmettert. Der damalige Nürnberger Bürgermeister Andreas Urschlechter soll damals gesagt haben, er hätte nichts dagegen, wenn Nürnberg nach Fürth eingemeindet würde. Er hätte dann nur eine Bedingung: die zusammengelegten Städte müssen Nürnberg heißen.

Im Grunde reichen die Wurzeln der Zwistigkeiten zwischen den Nachbarstädten, die wie ein altes Ehepaar stets aufeinander herum hacken aber eigentlich beide doch nicht ohne den anderen können, noch viel weiter zurück. Genau genommen hätte es nämlich Nürnberg ohne Fürth nie gegeben.

Fürth war schon da und ist sogar 300 Jahre älter als Nürnberg, das vielleicht nie gegründet worden, wenn Heinrich II. nicht Fürth damals an die Bamberger Kanoniker verschenkt hätte. Nürnberg hatte einfach Glück, weil es zufällig an der gleichen Straße lag und deswegen Reichsstadt wurde, denn schließlich musste der Kaiser ja irgendwo unterkommen. Auch um den Stadtheiligen der Nürnberger ranken sich wilde Geschichten: Im Wald bei Poppenreuth soll der Eremit Sebald um 1050 gelebt haben und bei seinem Tod dort beerdigt worden sein.

Die Nürnberger raubten seine Gebeine und mit den Walfahrern, die den heiligen Sebaldus besuchen wollten, kamen der erste wirtschaftliche Aufschwung in die Stadt. Der Legendenbildung wurde ein wenig nachgeholfen. Sebald soll demnach gesagt haben: „Legt meine Gebeine auf einen Ochsenkarren. Wo der Karren stehen bleibt, da begrabt sie." Angeblich blieb er ja dort stehen, wo später die Sebalduskirche errichtet wurde. Die Fürther jedenfalls sagen bis heute: „Nicht nur die Gebeine sind in Nürnberg geblieben, sondern auch die Ochsen." Und die Poppenreuther, denen die Gebeine des berühmten Eremiten auf so schmähliche Weise abhanden gekommen waren, wollten nicht nach Nürnberg eingemeindet werden, sondern gingen lieber gleich nach Fürth.