320px Graz Opernhaus Zuschauerraum Blick zur BühneDer Narziss braucht das Rampenlicht

Es liegt nun einmal in der Natur von Insignien der Macht und anderen Statussymbolen, dass sie den Status nur dann nach außen sichtbar machen, wenn sie auch gesehen werden. Während gewöhnliche Sterbliche Anzug und Perlenkette zu Hause gerne ablegen, verschmilzt der Narziss so stark mit den Dingen, die ihm in der Außenwelt Geltung verschaffen, dass er in einer Woge von Banalität zu ertrinken droht, wenn ihm seine Fassade abhanden kommt.

Süchtig nach Symbolen

Der Narziss ist süchtig nach Symbolen, die seinem Ego Bedeutung verleihen. Diese Surrogate stehen dabei in direkter Relation zur eigentlichen Tristesse seines Daseins. Mit anderen Worten: Ein Narziss ohne Bühne und Requisiten ist im Grunde seines Herzens ein bemitleidenswertes Wesen und wird nur deswegen von niemandem ernsthaft bedauert, weil er
in diesem Zustand einfach besonders unausstehlich ist.

Raus aus dem Rampenlicht - Ende der Vorstellung

Das Dumme daran ist nur, dass der Narziss durch diesen Mummenschanz seinem Ideal kein bisschen näher kommt. Die grauenvolle Vorstellung, dass jene Menschen, die ihm eigentlich in einer lichtdurchfluteten Prunkvilla ehrfurchtsvoll die Hand schütteln sollten, ihn in einer Drei-Zimmer-Mietwohnung für einen ganz gewöhnlichen Menschen halten könnten, verlässt
ihn niemals ganz. Besonders dann nicht, wenn er tatsächlich ein einer Drei-Zimmer-Mietwohnung lebt.

Zudem funktioniert der Trick leider nur, solange der Narziss

  1. eine Bühne hat, auf der er die Insignien seiner (ersehnten) Größe zur Schau zu stellen kann und
  1. genug Menschen findet, welche diese ostentativ zur Schau gestellten Symbole der Macht, des Reichtums etc. mit der gebotenen Aufmerksamkeit goutieren und ihm das geben, was er so dringend benötigt, nämlich Anerkennung.

Mit anderen Worten: Raus aus dem Rampenlicht - Ende der Vorstellung. Und damit bröckelt dann auch das köstliche Gefühl des Selbstwerts jäh den Abgrund hinunter...