Tante Emma Laden​Für 20 Pfennig Eiskonfekt - Tante Emma und das süße Glück der Kindheit

Tante Emmas Laden war ein kleines Paradies. Ihr Reichtum aus Kinderaugen unermesslich. Wertvolle Schätze türmten sich auf der Ladentheke. Riesige Gläser, bis zum Anschlag gefüllt: Saure Drops, bunte Bonbons und Liebesperlen, Eiskonfekt und hübsch dekorierte Pralinen. All die kostbaren Leckereien, die Kinderherzen höher schlagen ließen.

Tante Emma hielt ein ausführliches Schwätzchen mit einer Kundin. Beachtete uns Kinder kaum. Wir konnten ungestört staunen und stöbern, uns die Nasen an Glasvitrinen mit Kuchen, Wurstbrötchen und Essiggurken im Tonkrug plattdrücken. Jedes noch so kleine Eck in Tante Emmas Laden war prall mit Waren gefüllt. Man entdeckte darin immer neue wundersame Sachen, die die Neugier anfachten: Hübsche Holzkistchen mit dicken Zigarren darin. Eingelegte Heringe, deren Augen einen von der Seite anstarrten. Duftende Seifen und Waschpulver mit Bildern von hübschen, modisch gekleideten Frauen darauf. Nur anfassen durfte man leider nichts von all den schönen Dingen, sonst erhob Tante Emma sofort mahnend den Zeigefinger.

​Oh, ihr süßen Eistörtchen!

Monatsende. Man hatte das ganze Taschengeld aufgespart. Obwohl man eigentlich nicht so recht wusste, wofür. Die Erwachsenen legten einem das Sparen ans Herz. Und - was brauchte man schon? Der Einkauf für Mutter gehörte definitiv zu den Pflichten, die man gerne erledigte. Es gab nämlich immer ein oder zwei Bonbons von Tante Emma oben drauf. Die Sauren, die umso köstlicher schmeckten, je seltener man sie bekam.

Durfte man sich zehn Schokoladen-Eistörtchen extra gönnen? Vielleicht sogar 20? Bei so viel Übermut gefror einem beinah das Blut in den Adern. Die eigenen Groschen wurden sorgsam gehütet. Auch wenn Tante Emma dick und freundlich war, so war sie doch eine Erwachsene und somit das personifizierte schlechte Gewissen. Also bat man schließlich verschämt um eine bescheidene Menge der süßen Naschereien. Und ein Tütchen Brause…

​Ahoj, blauer Matrose!

Limo war Luxus. Wir liebten die süßsäuerliche Geschmack-Explosion. Das leise Prickeln auf der Zunge. Leider bekamen wir das köstliche gelbe Blubberwasser meist nur auf Familienfeiern in der Gastwirtschaft. Zum Glück gab es auch Limo in Tütchen: Die „Ahoj-Brause“. Auf der Packung stand: „Brauselimonaden-Pulver für alle Bevölkerungsschichten“. Der kleine Matrose eroberte die Herzen aller Schleckermäuler, denn das lustige Prickelpulver sorgte garantiert für Glücksgefühle.

Das klingelnde Ladenkassen-Ungetüm

Kein Strichcode, kein Computer, keine Plastiktüten. Die Waren wurden fein säuberlich in alte Zeitungen gewickelt. Oder in Papiertüten verpackt. Um die alte Ladenkasse - das klingelnde und klappernde Ungeheuer, deren großes Maul das viele Geld mit lautem Rattern schluckte – beneideten wir kleinen Kunden Tante Emma sehnlichst. Tante Emma musste die glücklichste Frau der Welt sein! Der Beruf einer Verkäuferin im Tante-Emma-Laden erschien vielen Kindern so erstrebenswert, dass ein gut gefüllter Kaufladen in Miniatur damals in fast keinem Kinderzimmer fehlen durfte. Von den alltäglichen Mühen, mit denen das harte Brot der kleinen Läden verdient wurde und dem traurigen Schicksal, das sie bald darauf ereilen sollte, ahnten wir damals noch wenig.