Ausschnitt aus Albrecht Dürers Grafik Der Sündenfall: Die Schlange überreicht Eva die verbotene Frucht 1504Schlummert das Böse in jedem von uns?

Wir sind keine Mörder und die allermeisten von uns neigen vermutlich nicht einmal zur Gewalt. Und doch behaupten Philosophen seit Menschengedenken: Der Keim des Bösen schlummert in jedem von uns…

Viele Mörder waren einst vollkommen unauffällige Menschen. So wie wir. Vielleicht sogar gute Menschen. Jedenfalls so lange, bis sie eine furchtbare Tat begingen. Eine Tat, die ihr Leben - und das vieler anderer - aus der Bahn geworfen hat.

Wie wird man zum Mörder?

Wenn wir Nachrichten über Gewalttaten verfolgen, fragen wir uns nach den Gründen für eine solche Tat. War es eine Handlung aus dem Affekt? Aufgestaute Wut, die sich irgendwann zum blinden Hass entwickelte? War die Tat von langer Hand geplant? Geschah es aus Rache oder gar aus Habgier? Oft tappen selbst die Ermittler im Dunkeln und wir werden die eigentlichen Beweggründe nie erfahren.

Ist ein Mörder „böse“?

Die meisten Menschen stimmen zumindest darin überein, dass seine Tat durch nichts zu rechtfertigen ist.

Schlummert in jedem von uns ein Mörder?

Warum beschäftigen uns solche Geschichten so sehr? Vielleicht deswegen, weil sie uns mit der Überlegung konfrontieren, ob wir selbst oder nahestehende Menschen im Extremfall zu so einer Tat fähig wären. Vielleicht weil es uns auch schon durch den Kopf gegangen ist, wenn wir so richtig in Rage waren:

Ich könnte ihn (oder sie) umbringen!“

"Wenn er (oder sie) nicht mehr da wäre, dann hätte ich endlich meine Ruhe…“

Sind wir nun weniger böse, weil wir unsere Gedanken nicht in die Tat umsetzen?

Wo beginnt es eigentlich – das Böse in uns? Wir sehen bei so vielen Dingen einfach zu und unternehmen nichts. Obwohl wir wissen, dass andere ins Messer laufen. Machen wir uns damit nicht auch schon ein bisschen mitschuldig? Sind die, die nichts unternehmen, besser als die Täter?

Wo beginnt das Böse?

Ist ein islamischer Selbstmordattentäter böse? Er opfert sein Leben für seine Religion. Aus seiner Sicht ist das eine gute Tat. Kein Opfer, kein Angehöriger und auch (fast) niemand sonst in der Welt wird diese Ansicht teilen. Wie kann ein Mensch die Vernichtung anderer Menschen gut heißen?

Es ist so einfach, zu sagen: Ich bin nicht böse, weil ich niemals zu solchen Mitteln greifen würde! Und doch sterben täglich Millionen von Menschen vor unseren Augen - an Hunger und in kriegerischen Auseinandersetzungen. Wir sehen untätig zu und vernichten gleichzeitig unsere Lebensgrundlagen auf diesem Planeten jeden Tag ein bisschen mehr...