Archestratos von Gela Kulinarisches aus der Antike - überraschend modern

Schon unsere Vorfahren in der Antike tafelten gerne und das Thema Essen ist seit jeher ein gefundenes Fressen für für Philosophen und Poeten. Die Prunksucht der Reichen und Mächtigen bei Tisch bietet bis heute so manchen Anlass für Kritik. Doch viele Empfehlungen aus den Ernährungsratgebern der Antike sind immer noch überraschend zeitgemäß.

So frisch wie möglich und der Saison gemäß

Kauft die allerbesten Zutaten so frisch wie möglich und der Saison gemäß und bereitet sie schlicht zu.“

Eine Empfehlung aus einem Ernährungsratgeber des 21. Jahrhunderts? Weit gefehlt. Es handelt sich um einen Auszug aus dem Lehrgedicht „Hedypatheia“ (Leben in Luxus), verfasst von Archestratos von Gela im 4. Jh. vor Chr.

Auch Platon beschäftigte sich intensiv mit der Ernährung. In „Politeia“ setzte er Maßstäbe für den idealen Staat und - für die beste aller Küchen!

Fleischlos glücklich

Platon empfiehlt Brot aus Gerste und Weizen, Wein, Oliven, Käse, Zwiebeln und Gemüse zum Genuss sowie den Verzicht auf Fleisch. Der könne sich negativ auf Körper und Seele auswirken und führe so zu einem immer größeren Verlangen nach Luxus und sexuellen Ausschweifungen. Eine erste Andeutung auf die von den Katholiken später so streng verurteilten Untugenden Gier, Wollust und Völlerei.

Platon rät zu einfachen Gerichten. Ansonsten verlange es einen nach mehr, als einem einzelnen zustehe. Er sprach aus persönlicher Erfahrung, denn seine Zeit war von ausschweifendem Luxus und Dekadenz geprägt. Seine Zeitgenossen schmausten und becherten, was das Zeug hielt. Fleisch gehörte zu den beliebtesten Speisen. Das wissen wir dank einer für diese Zeit höchst ungewöhnlichen Literaturgattung - einem Briefwechsel, überliefert von Athenaios: In einem Brief an seinen Freund Timokrates beschreibt er ein mehrtägiges Gastmahl in Rom. Der wiederum erzählt in seinem Antwortbrief von einem feudalen Gelage. Dabei geht es um Sitten und Bräuche, Käse und Kuchen, Hetären und Saufpoeten, die größten Vielfraße und absonderlichsten Gewürze.

Globalisierung auf römisch

Auch die Römer tafelten üppig und exzessiv. Sie nahmen außerdem alles, was nicht niet- und nagelfest war, mit in die eroberten Gebiete. So beglückten sie auch die nördlichen Provinzen mit allerlei Kräutern und Früchten, die damals noch als sehr exotisch galten: Mandeln zum Beispiel, Kirschen, Pfirsiche, Quitten und die Mispel.

Griechische und römische Dichter hielten sich nicht groß mit dem Geschmack der Speisen auf. Die Küchengeschichten boten eher den Rahmen, um Menschen nach ihren Essgewohnheiten zu charakterisieren. So wurden beispielsweise die Barbaren wegen ihrer fremdartigen Speisen lächerlich gemacht, die Tugend der eigenen Landsleute dagegen gelobt. Wegen ihrer Selbstbeherrschung. Dieses idealisierte Selbstbild sollte den Zeitgenossen als Vorbild dienen. Heute wissen wir es allerdings besser. Die Genussfreude der Römer war keineswegs immer so gezügelt.

Symposion und Convivium

Das Symposion (gemeinsames Trinken) galt den Griechen als wichtigstes gesellschaftliches Ereignis. Den Römern war das Convivium (wörtlich „zusammen leben“, gemeint war vor allem gemeinschaftliches Essen und Trinken) heilig. Beide Völker pflegten im Liegen zu speisen. Das war keineswegs so bequem, wie es uns heute erscheinen mag. Das einzig verfügbare Besteck waren diverse Löffel. Man bediente sich ohnehin mit der Hand oder einem Stück Brot, das man als Löffel und Teller benutzte. Zum Beispiel, um das in mundgerechte Happen geschnittene Fleisch darauf zu schlichten oder zum Tunken von Suppen und Soßen. Man kann sich unschwer vorstellen, wie es danach im Triclinium (Speisesaal, benannt nach den drei Liegen) ausgesehen haben mag. Die Römer selbst haben sich schon darüber amüsiert. Davon zeugt ein damals als Bodenmosaik sehr beliebtes Motiv mit eingearbeiteten abgenagten Fischgräten, Garnelenschwänzen und anderen Speiseabfällen aus bunten Steinen lebensecht gearbeitet. Das hatte zudem den großen Vorteil, dass die echten Essensreste auf dem Boden des Speisesaals kaum noch auffielen.