Knoedel Klöß Spotzn Lieblingsgerichte aus der Steinpfalz

Leichte mediterrane Sommerküche? Damit haben die meisten Spezialitäten aus der Oberpfalz wenig zu tun. Das liegt wohl unter anderem daran, dass die Sommer in den nördlichen Regionen Bayerns eher kurz ausfallen. Zudem stammen die traditionellen Gaumenfreuden allesamt aus der guten, alten Bauernküche. Und das Leben der Bauern im Grenzland war von jeher hart, die Ernährung entsprechend deftig und nahrhaft.

So wird schon der kleine Oberpfälzer herzhaft aufgepäppelt, damit er diesen unwirtlichen Breiten später gewachsen ist. Kloß mit Soß, Schoppala und die Erdäpflsubbn gehörten im Moosbüffel-Land schon zur Babynahrung.

Die kam ganz bestimmt nicht aus dem Gläschen, sondern aus dem kargen, steinigen Acker. Viele der traditionellen oberpfälzischen Speisen und Gerichte kann man getrost unter dem Begriff „Arme-Leute-Essen“ zusammenfassen. Schlicht und einfach. Aber köstlich.

Erdäpfel - überirdisch lecker

Der Oberpfälzer ist auf seine Art ein echter Gourmet. Auch wenn 80 Prozent der Gerichte in den typischen landesüblichen Kochbüchern aus Erdäpfeln bestehen. Vielleicht gerade deswegen. Der Oberpfälzer Gaumen weiß jeder Kartoffel ihre ganz besondere individuelle Note abzugewinnen. Er kann eine Sieglinde ohne weiteres am Geschmack von einem Bamberger Hörnchen unterscheiden. So wie andere einen Silvaner vom Riesling. In Erdäpfeln ist der Oberpfälzer zu Hause: Die nahrhaften Knollen waren in der Oberpfalz längst heimisch, bevor die Preußen 1756 den großflächigen Anbau per Dekret anordneten.

Vermutlich gibt es nirgendwo auf der Welt so viele fantasievolle Kartoffel-Variationen wie in der Oberpfalz und vor allem in der Steinpfalz, der nordöstlichsten Region Bayerns. Die Erdäpflsubbn (Kartoffelsuppe) gab es bis vor nicht allzu langer Zeit an vielen Tagen im Jahr - früh, mittags und abends. Fad wurde sie trotzdem nie. Das lag vor allem daran, dass jeweils alles mit der Suppe verkocht wurde, was das Erdreich und die Speisekammer hergaben. Nach Jahreszeit und Zufallsprinzip. Im Winter alles, was man lagern, trocknen und einlegen kann wie Wurzelfrüchte und Suppengemüse. Mit etwas Glück auch eine Schwarte vom Schwein. Im Sommer frisches Gemüse und Kräuter wie Maggikraut, Majoran und Petersilie. Und, besonders lecker, frischer Schmand. Über die werbeträchtigen Zusätze „saisonal und regional“ auf den Karten etlicher Feinschmecker-Restaurants kann der Oberpfälzer nur milde lächeln.

Resteverwertung: Brotsuppe, Semmelknödeln

Verkommen lässt der Oberpfälzer rein gar nichts. Ausnahmslos alles, was essbar ist, wird auch verwertet. Altbackenes Brot landet zum Beispiel in der Broudsubbn – eines der allereinfachsten und köstlichsten Lieblings-Gerichte. Trockene Semmeln wandern in Semmelknödel. Die schmecken besonders zur Schwammerlbrühe extrem lecker.