KornkreiseDänikens kunterbunte Wunderwelt

Erich von Däniken präsentiert uns immer neue, abenteuerliche Theorien über die Evolution der Menschheit. Seine kunterbunte Welt besteht aus einem kongenialen Mix aus Urwelt-Mythen und Ufologie und ist doch nur alter Wein in neuen Schläuchen: Früher waren Hexen, Feen, Elfen und Geister für Wundererscheinungen zuständig, heute sind es eben Aliens.

Die "veredelte" Menschheit...

Wir schreiben das Weltraumzeitalter. Die Menschheit träumt vom Leben auf dem Mars und Däniken heizt die überbordenden Phantasien gehörig an: Er geht davon aus, dass das Menschengeschlecht von Anbeginn an immer wieder von Außerirdischen besucht und dabei nach und nach „veredelt“ worden sei. Das ist genau genommen eine ziemlich zynische Neuauflage altbekannter Rassentheorien: Demnach merzen Aliens im Rahmen eines Ausleseverfahrens jene Missgeburten aus, die den Genpool nur verdorben hätten.

…und noch mehr Außerirdisches

Die unglaubliche Breitenwirkung der Offenbarungen Dänikens seit den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts fiel nicht zufällig mit dem Boom der Regenbogenpresse zusammen fiel. Das gilt auch für die Kornkreise. Ihre Anzahl wuchs mit der Intensität der Berichterstattung in den Medien. Das Gerücht, dass Außerirdische für Kornkreise (und heute eben für Monolithen) verantwortlich seien, ist nicht mehr aus der Welt zu schaffen, obwohl sich zwei englische Künstler als Urheber der Kornkreise outeten. Kornkreis-Enthusiasten und eine breite Öffentlichkeit war nicht mehr bereit, eine rationale Erklärung für das Phänomen zu akzeptieren.

Nirwana Internet

Die wundersamen Erscheinungen, ob außerirdisch oder übersinnlich, wandeln sich kaum. Was sich ändert sind nur die Medien, mit Hilfe deren sie verbreitet werden. Auch das Internet ist ein üppig sprudelnder Quell auf dem Weg ins Nirwana. Absonderlichste Theorien werden dort mit Besessenheit verfolgt. Das Sendungsbewusstsein hat System: Es entsteht aus der tiefen Sehnsucht heraus, dem eigenen Leben Sinn und Bedeutung zu verleihen. Das narzisstische Spiel mit dem angeblich so Wissen weniger, mit Wahrheiten und Erkenntnissen, die nur Eingeweihte erlangen können, ist verlockend. Viele erliegen der Versuchung, den Gurus zu folgen. Die Phänomene, um die es dabei geht, sind oft weniger interessant, als die Menschen dahinter. Die Rattenfänger auf der einen und die dummen Schafe auf der anderen Seite.

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Geisterseher und Gurus auch heute noch eine höhere Popularität als Politiker und Wissenschaftler. Sie genießen das Vertrauen vieler. Vor allem jener, die sich von der Kommunikation mit dem Jenseits mehr Wahrheit versprechen, als von den Mitmenschen im wirklichen Leben. Esoterische Botschaften spenden Trost und Hoffnung. Sie machen das Leben im hier und jetzt erträglicher und helfen dabei, Zukunftsängste zu überwinden.

Denn es ist zu allen Zeiten so gewesen und wird wohl auch künftig so bleiben, dass gewisse widersinnige Dinge selbst bei Vernünftigen Eingang finden, bloß darum, weil allgemein davon gesprochen wird.“

Immanuel Kant, Träume eines Geistersehers