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MaenleinlaufenBassd fei scho – philosophische Betrachtungen zur bayerischen Mundart

Dreiviertel zwölf? Bassd scho...

Die Nürnberger zerbrechen sich eher selten den Kopf darüber, warum die Touristen schon um Dreiviertel zwölf vor der Frauenkirche auf das Männleinlaufen warten und nicht erst um Viertel vor zwölf. Dreiviertel zwölf? Bassd scho. Der des fränkischen nicht mächtige Tourist aus dem Norden dagegen verzweifelt mitunter an solchen einfachen Dingen. Dabei kann es fei sehr philosophisch sein, sich ausführlicher mit der tieferen Bedeutung einiger typischer Begriffe zu befassen:

Wenn der Bayer „fei" sagt, meint er das wirklich

Das kleine Wörtchen „fei" gibt nicht nur in Franken sondern fei auch in der Oberpfalz. Genau genommen in weiten Teilen Bayerns. Ein „Fei" vermag nur der wirklich fehlerfrei einzusetzen, der es mit der Muttermilch aufgesogen hat. Man würde dem „fei" nämlich arg unrecht tun, wenn man es einfach als „Füllsel" abtäte. So ein wohl gesetztes „fei" ist im süddeutschen Sprachgebrauch von essentieller Bedeutung: Es verstärkt das Gesagte noch einmal nachdrücklich. Der Sprecher insistiert auf seinem Standpunkt. Er verleiht ihm nachhaltige Durchdringlichkeit bis hin zur aggressiven Behauptung einer Tatsache. Deren Wesensgehalt hat das Gegenüber gefälligst unwidersprochen hinzunehmen.

Ein „fei" sollte den Gesprächspartner immer hellhörig machen. Es ist sozusagen ein dezenter Hinweis darauf, dass der Watschenbaum bei Nichtbeachtung schon mal umfallen kann. Weil es ein gewaltiger Unterschied ist, ob der Bayer sagt: „Das darf man nicht!" oder „Das darf man fei nicht!" Ersteres bedeutet: Das musste zwar mal gesagt werden, aber es handelt sich dabei keineswegs um ein ehernes Gesetz. Man darf es schon, es braucht nur keiner zu erfahren.

Letzteres aber bedeutet: Das darf man überhaupt gar nicht. Auf gar keinen Fall. No Go. Streng verboten. Ansonsten Watschen.

Bassd scho - das Dao der Franken

Das fränkische „bassd scho" ist ein äußerst facettenreicher Begriff. Es bedürfte einer umfangreichen sprachwissenschaftlichen Abhandlung, um die Nuancen fein säuberlich herauszuarbeiten. „Bassd scho" ist erst einmal die in jeder Lebenslage korrekte Antwort auf die Frage: „Wie geht's?"

Bassd scho" hat eine Bandbreite von „blendend" bis „hundsmiserabel". Im Geschäftsleben zum Beispiel kann die Antwort „bassd scho" bedeuten, dass der Betreffende kurz vor dem Ruin steht, aber auch, dass er im laufenden Geschäftsjahr alle Umsatzrekorde bricht. Da lässt sich der Franke nicht so gerne in die Karten schauen.

Auch wenn sich einer bei ihm entschuldigt macht der Franke nicht viel Aufhebens darum sondern quittiert dies mit einem kargen „bassd scho". Die tiefere Bedeutung kann je nach Kontext von „nicht so schlimm" bis hin zu „verpiss dich" reichen. Wird er nach seiner Meinung gefragt, zum Beispiel ein neues Kunstwerk in der Stadt betreffend, kann das „bassd scho" ein großes Kompliment sein, aber auch eine alles vernichtende Kritik. „Bassd scho" ist schlicht ein Ausdruck des höchsten Enthusiasmus, zu dem der Mittelfranke fähig ist. Andererseits aber auch der Inbegriff absolut maximaler Verachtung.

Auch der Zugereiste entdeckt früher oder später die Weisheit, die einem kernigen „bassd scho" inne wohnt. Es hat so was unglaublich Gemittetes: Geht in Ordnung. Oder auch nicht. Yin und Yang eben. Das ist das Dao der Franken. Und alles ist gut.

WasserCorona und die Ärmsten der Armen: Kein Wasser – keine Hygiene

Der Wasserverbrauch weltweit pro Jahr liegt bei etwas über 4 000 000 000 000 000 Liter. Die Grenze der nachhaltigen Nutzung überschreiten wir regelmäßig Anfang August. Im Jahr 2020 vermutlich etwas später, weil mit der Corona-Pandemie die Produktion weltweit einbrach.

7 800 000 000 Menschen zählt die Welt derzeit. Es sollte also genug für alle da sein. Rein rechnerisch stehen jedem gut 500 Kubikmeter zu. Leider ist es faktisch etwas komplizierter:

85 Prozent der Menschen leben in den trockensten Gebieten unseres Planeten. In Afrika müssen viele mit 20 Litern Wasser am Tag auskommen. Nur für die Ernährung und um Krankheiten durch Hygiene zu vermeiden braucht man ungefähr 50 Liter am Tag.

Nur zum Vergleich: 120 Liter Wasser verbraucht jeder Deutsche pro Kopf und Tag. Wir planschen im Pool, waschen unsere Autos und spielen Golf. Bei uns rauschen täglich 40 Liter nur für die Toilettenspülung durch die Leitung.

4 000 000 000 Menschen auf unserem Planeten leiden mindestens einen Monat im Jahr an Wassermangel. 785 000 000 Menschen weltweit haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser.

Wir verbrauchen 120 Liter reelles Wasser. Wasser, das direkt bei uns aus der Leitung kommt. Dazu kommt der Verbrauch an virtuellem Wasser. Das ist Wasser, das wir indirekt nutzen. Zum Beispiel bei der Produktion von Nahrung und Konsumgütern. Steaks. Kaffee. Klamotten aus Baumwolle. Auf jeden Deutschen kommen 4 000 Liter pro Tag. 70 Prozent dieses Wassers befindet sich außerhalb unserer Landesgrenzen.

250 000 000 000 000 Liter Wasser plätschern jährlich in den Bauwollanbau. Man braucht 11 000 Liter Wasser, um 1 Kilo Baumwolle herzustellen. 15 000 für 1 Kilo Rindfleisch, 1 300 für 1 Kilo Weizen.

Die Weltbevölkerung nimmt zu. Der Wasserverbrauch steigt weiter. Immer weniger Menschen haben Zugang zu sauberem Trinkwasser und sind von Hunger bedroht. Krankheiten treffen sie ohnehin schon schlimmer als alle anderen Menschen auf der Welt. Eine Pandemie stellt sie vor ein unlösbares Problem...