10 Regeln für Utopisten und solche, die es werden wollen

UtopieUtopien nach dem Motto „Ich verbessere die Welt und zwar sofort!“ bleiben meistens, was sie sind: eine Illusion. Es sei denn, der Heilsbringer findet eine Anhängerschaft, die seine narzisstischen Ideale gewaltsam umsetzt. Die Geschichte hat der Menschheit diesbezüglich einige schmerzhafte Lektionen erteilt. Dennoch - die Welt braucht Visionen. Und Menschen, die sie umsetzen. Deswegen hier einige Grundregeln für Utopisten und solche, die es werden wollen:

  1. Baue Deine Pläne modular nach dem Baukastensystem auf. Entwickle alternative Szenarios, die zeitliche Dimension und Chaos-Faktoren berücksichtigen.

  2. Bilde Hypothesen zur Annäherung an Resultate möglicher Veränderungsprozesse. Antizipiere Faktoren (günstige und hinderliche), die hinzu treten können und die Veränderungen, die sie bewirken. Lass genug Spielraum für flexible Reaktionen auf unberechenbare Faktoren.

  3. Strebe keine Wunder an. Bau auf vorhandenen Ressourcen auf. Entnimm die Bausteine, aus denen Neues entstehen soll, der Realität.

  4. Wir wollen keine „Umerziehungslager“! Berücksichtige menschliche Schwächen und Stärken, Konflikte und Probleme. Setze auf Kooperation und eine konstruktive Konfliktkultur, die sich nicht am Problem, sondern an der Lösung orientiert. Beziehe natürliche Gegebenheiten und die Lebensumwelt mit ein. Nicht nur Überleben ist das Ziel sondern gut leben – und leben lassen!

  5. Keine „geschlossenen Gesellschaften“, sondern Vernetzung, Offenheit und Flexibilität. Keine absoluten Thesen, keine Allheilmittel oder allgemeingültigen Rezepte, kein Zementieren von Prioritäten oder Handlungsanweisungen!

  6. Keine irreversiblen Prozesse mit unvorhersehbaren Folgen. Hüte Dich davor, Reformen von solcher Komplexität und Tragweite zu unternehmen, dass es Dir unmöglich wird, Ursachen und Wirkungen zu entwirren und zu wissen, was Du eigentlich tust. („Stückwerktechnologie“ von Karl Popper) Akzeptiere gegebene Bedingungen, wenn Veränderungen Planeten aus der Bahn werfen würden.

  7. Keine „Gurus“, die im Alleinbesitz der Wahrheit sind, keine elitären Zirkel! Schaffe Bedingungen, die absichern, dass möglichst viele Menschen sich gleichberechtigt an der Aushandlung der für sie geltenden Regeln beteiligen können. Übe Toleranz gegenüber Andersdenkenden.

  8. Selbstreflexion: Ist Deine Utopie von subjektiven Motiven geleitet?

  9. Keine verbale „Esoterik“! Sprache und Begrifflichkeit sollte für jedermann verständlich und nachvollziehbar sein

  10. Bleibe ethisch korrekt! Nulltoleranz für Gewalt als Mittel zur Durchsetzung!

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