Deutsche im UrlaubWenn Deutsche reisen - immer rein in den Fettnapf!

Wir Deutschen sind seit Jahrzehnten ungeschlagene Urlaubsweltmeister. Und wir bringen gerne ungefragt unsere Sitten und Gebräuche mit ins Ferienparadies. Darin sind wir einfach unbelehrbar - mitunter sehr zum Befremden der Einheimischen. Hier eine kleine Auswahl der beliebtesten Fettnäpfe:

Spaßfeilschen

Obwohl die Türken uns Deutsche nun schon so lange kennen, sind sie immer noch ein wenig traurig darüber, dass die wenigsten von uns das Feilschen beherrschen. Dabei ist das gar nicht so schwierig.

 Aber auch da gibt es Stolperfallen: Handeln Sie nur, wenn Sie auch wirklich etwas kaufen wollen. "Spaßfeilschen" kränkt die Händler-Ehre. Ihr Gebot sollte nicht unter dem halben Angebots-Preis liegen. Das findet der Verkäufer, ganz im Gegensatz zu vielen Touristen, meist gar nicht lustig.

Bakschisch und Komplimente

Bakschisch und Komplimente sind in der Türkei stets sehr willkommen. Ein kleiner Sesamöffnedich wird jederzeit gerne und ohne deutsche Zimperlichkeit entgegen genommen. Auch einige Aufmerksamkeiten in türkischer Sprache sollte der Tourist im Handgepäck haben. Wir Deutsche geizen ja eher mit Schmeicheleinheiten, aber in der Türkei darf man ruhig schon mal etwas üppiger auftragen. Ausnahme: Die nette Dame mit der Burka. Über deren Sittsamkeit wacht meist der gesamte Familienclan inklusive aller großen Brüder, Onkels und Cousins. Sie könnten schmeichelnden Männern den Urlaub ein wenig verleiden.

Türkische Männer sind meist sehr redselig. Sie palavern gerne und ausschweifend. Über das Wetter, das Essen, Gott und die Welt. Schön unverbindlich. Die direkte Art der Deutschen, die gern mit der Tür ins Haus fallen - womöglich mit hartnäckigen Fragen zur Modernisierung des Islam oder ähnlich kritischen Themen - kommt da nicht wirklich gut an. Ein beliebtes und meist unverfängliches Thema ist Fußball. Es gilt übrigens als sehr unhöflich, ältere Menschen in ihrem Redefluss zu unterbrechen. Wer sich also auf ein Pläuschchen einlässt, sollte also viel Geduld mitbringen.

Teutonische Stilikonen

Deutsche Männer stellen die Bewohner beliebter Urlaubsregionen in Europa regelmäßig auf eine harte Bewährungsprobe: Hawaii-Hemden mit großzügigen Blumenornamenten, kreischend bunte Bermuda-Shorts und niedliche Hütchen treffen den modischen Geschmack unserer, meist sehr stilbewussten, Miteuropäer eher selten. Aber auch dann, wenn Sie gerne den ganzen Tag so herum laufen, wie Gott Sie geschaffen hat, können Sie ziemlich viel falsch machen. Es gibt nämlich auf diesem Planeten nur wenige Orte, an denen das ausdrücklich gestattet ist. Zum Beispiel den FKK-Camping-Platz. Dort ist es sogar verpönt, mit mehr als einem Ahornblatt bekleidet durchs Camp zu flanieren. Man zeigt, was man hat. Auch bei hüpfenden und springenden Sportarten und im Supermarkt. Das ist nicht selten ein gewöhnungsbedürftiger Anblick. Nicht nur an der Wursttheke.

Freiluft-Fetischisten

Ebenso gewöhnungsbedürftig ist der Anblick halbnackter Menschen in Einkaufspassagen und Straßencafes. Deutsche Touristen missachten nicht nur das in vielen Regionen herrschende Nacktbadeverbot, sondern laufen zudem gern spärlich verhüllt durch die Innenstadt. Das kann hartnäckige Freiluft-Fetischisten allerdings teuer zu stehen kommen: In Venedig müssen allzu leicht bekleidete Touristen schon mal 200,- Euro berappen. Dass zu viel Bauch und Bein in den Bethäusern dieser Welt nicht gern gesehen wird, das sollte sich eigentlich längst herumgesprochen haben.

XXL-Presswürste

Selbst am Strand gibt es eine unausgesprochene Etikette. Zu viel Stoff kann dort ebenso irritieren wie zu viel Haut. Männer mit String-Tangas sind ebenso out wie ihr in die Jahre gekommener Protagonist David Hasselhoff. High Heels im Sand machen selten eine gute Figur und wer sich trotz XXL in einen viel zu engen Badeanzug quetscht, wirkt dadurch nicht wirklich schlanker, sondern sieht einfach aus wie eine Presswurst. Auch Muttis handgestrickte Liebestöter, Ballermann-T-Shirts oder Socken in Plastik-Strand-Sandalen sind Fettnapfverdächtig. Gegen Bierbäuche und Cellulite ist kein Kraut gewachsen, es spricht jedoch nichts dagegen, kleine Unebenheiten mit einigen adretten Accessoires sanft zu umschmeicheln. Gegen ein bisschen mehr Ästhetik im Urlaubsparadies hat sicher niemand etwas einzuwenden.

Pfennigfuchser

Neben dem Reservieren der Sonnenliegen mit Handtüchern gehört zu den typisch deutschen Unsitten auch die Eigenart, bei größeren Gesellschaften für jede Person eine extra Rechnung im Restaurant einzufordern. Bitte strapazieren Sie die Contenance der gestressten Kellner und Mit-Gäste nicht über die Maßen! Bestellen Sie eine Rechnung und machen Sie es dann unter sich aus. Womit wir wieder beim Bakschisch wären:

Trinkgeld wird immer gerne genommen. Je mehr, desto besser. Es ist jedoch erstaunlicherweise durchaus nicht überall üblich: In französischen und italienischen Bars und Restaurants legt man bestenfalls ein paar Münzen auf dem Tisch. In Hotels gilt weltweit die Regel: Je früher Sie das Bakschisch abliefern, desto besser der Zimmerservice. Fünf Euro pro Woche genügen, andernfalls sollten Sie vielleicht einen Hotelwechsel in Betracht ziehen.

Flugzeug-Knigge

Gehören Sie auch zu denen, die sich jedes Mal riesig darüber freuen, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben? Dennoch: Das enthusiastische Klatschen nach der Landung mit dem Urlaubsflieger gehört so ziemlich zu den allergrößten Unsitten auf Reisen. Vor allem dann, wenn das Flugzeug noch nicht einmal zum Stillstand gekommen ist. Wenn Sie also nicht gerade nach einer Entführung und dem Durchfliegen einer lebensbedrohlichen Gewitterfont mit brennenden Tragflächen und verkantetem Fahrwerk mit Rettungswesten bekleidet bäuchlings auf der Landebahn entlang geschrammt sind – lassen Sie es einfach. Der Pilot hört es sowieso nicht…