SiebenschläferSiebenschläfer - Gummistiefelalarm oder Wonnesommer?

Auf einen viel zu düsteren Winter folgte 2021 – kein Frühling. Nahtlos ging die dunkle Zeit in Dauerregen über, Deutschland bibberte bei viel zu kalten Temperaturen. Auf Sonne warteten wir Monate lang vergeblich und dann, als sie sich endlich zeigte, versengte sie das Land wie ein Wüstenplanet. Nur um sich dann wieder klammheimlich davon zu stehlen? Macht der Siebenschläfer nun auch unsere letzte Hoffnung auf einen richtigen Sommer zunichte?

Ausschlaggebend für das Wetter in den nächsten Wochen sind die ersten Tage der Juli-Woche - nicht der Siebenschläfertag selbst. Die zeitliche Verschiebung ergibt sich aus der gregorianischen Kalenderreform 1582. Der heutige Siebenschläfertag fällt auf den 7. Juli. Das gilt natürlich in gleicher Weise für all die anderen alten Bauernregeln und Lostage, die sich auf feststehende Zeiten im Jahr beziehen und daher heute ca. zehn Tage von den einst gesetzten Terminen abweichen.

Jetstream – Entscheidung an der Luftfront

Ein außergewöhnliches Wetterphänomen ist der Siebenschläfer allemal. Die Wetterlage tritt Jahr für Jahr zur gleichen Zeit auf. Mit einer hohen Wahrscheinlichkeit von bis zu 80 Prozent. Damit weicht sie von den sonst üblichen Wetterlagen ab. Das Phänomen wird auch als Wetter-Singularität bezeichnet. Es ist darauf zurück zu führen, dass sich die Großwetterlage von Ende Juni bis Anfang Juli für einige Zeit stabilisiert. Sie hängt vom Jetstream ab,

Es lohnt sich also - zumindest für uns Süddeutsche - in den nächsten Tagen den Jetstream im Auge zu behalten: Verläuft er eher südlich, bleiben uns die Tiefdruckgebiete erhalten. Liegt er dagegen weiter nördlich, werden die Tiefdruckgebiete nach Nordeuropa abgedrängt und wir bekommen wahrscheinlich eine relativ stabile Hochdruck-Wetterlage. Relativ, weil die kühle Nordmeerluft gelegentlich mit den deutlich wärmeren Luftmassen im Süden kollidieren und in den Übergangsbereichen für mitunter heftige Unwetter sorgen kann.

Bauernregeln – erstaunlich treffsicher

Wer auch immer die Siebenschläfer-Regel erkannt und überliefert hat, den Jetstream kannte er sicher nicht. Der Jetstream ist ein Höhensturm und als feststehender Begriff verbreitete er sich in der Wissenschaft erst seit den 1940er Jahren des letzten Jahrhunderts. Die Bauern verließen sich früher auf empirische Werte, genauer gesagt: auf ihre Erfahrungen, die sie über viele, viele Jahre sammelten und über die Jahrhunderte weitergaben. Notgedrungen. Die Beachtung dieser Regeln war der Garant für den Erfolg ihrer Arbeit. Wenn auch kein Hundertprozentiger. Denn damals war das Einbringen einer guten Ernte existenziell für das Wohl oder Wehe nicht nur eines Hofs, sondern oft ganzer Dorfgemeinschaften.

Wetterforscher untersuchten rund 400 Bauernregeln und werteten Wetterdaten aus 200 Jahren aus. Sie kamen zu einem erstaunlichen Ergebnis: Die Regeln treffen durchweg zu einem sehr hohen Prozentsatz zu. Sie führen in mindestens zwei von drei Fällen zu einer richtigen Prognose. Das sind Werte, die wir heute selbst mit modernsten Mitteln kaum überbieten können. Auch die Regel vom Siebenschläfer-Tag ist von bemerkenswert hoher Treffsicherheit: Die Vorhersage trifft in Süddeutschland zu 60 bis 70 und in München sogar zu 80 Prozent ein.

Sieben Wochen Wonnesommer

Die Unken, die jetzt schon das Ende des Sommers und einen frühen Herbst heraufbeschwören, kriechen gerade aus allen Löchern. Doch unsere Chancen auf einen schönen Sommer 2021 stehen gar nicht so schlecht: Die mitunter kühlen Frühjahrs-Temperaturen sind keineswegs atypisch. Sie können durchaus unter Eisheilige und Schafskälte verbucht werden. Übrigens ebenfalls Wetterlagen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit in beinahe jedem Jahr auftreten.

Der Juli jedoch beginnt voraussichtlich sonnig und mit angenehmen, sommerlichen Temperaturen um die 25 Grad. Die Hoffnung auf sieben Wochen Wonnesommer mit überwiegend Sonne ist also durchaus nicht unrealistisch und sogar wahrscheinlicher als eine zweite Jahreszeit mit reichem Segen von mildem Dauerregen.

Mit absoluter Sicherheit aber lässt sich nur eines behaupten:

Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen.“

[Die Herkunft des beliebten Bonmots ist ungesichert wie das Wetter. Es wird wechselweise Mark Twain, Karl Valentin, Niels Bohr oder auch Winston Churchill zugeschrieben.]

Die Legende der sieben Schläfer von Ephesus

Seinen Namen verdankt der Lostag einer alten Legende. Demnach sollen sich zur Zeit der Christenverfolgung sieben junge Männer nahe Ephesus in einer Höhle versteckt haben, um dem Märtyrertod zu entgehen. Sie wurden jedoch entdeckt und in ihrer Zufluchtsstätte eingemauert. Wie durch ein Wunder starben sie nicht, sondern fielen nur in einen langen und tiefen Schlaf. Der währte 195 Jahre und just am 27. Juni 446 wurde ihr Versteck entdeckt. Die Männer erwachten wieder zum Leben. Vermutlich liegt der Ursprung dieser Legende in vorchristlicher Zeit, wahrscheinlich geht sie auf die hinduistische Überlieferung zurück. Sie wurde seit dem 6. Jh. in mehreren Sprachen schriftlich niedergelegt. Sogar der Koran erzählt eine Version der Geschichte. Eine andere ging in den liturgischen Kalender unserer Vorfahren ein, die den Lauf des Bauernjahres danach ausrichteten.