das böseSchlummert das Böse in jedem von uns?

Wir sind keine Mörder, keine Vergewaltiger und die allermeisten von uns neigen nicht einmal zur Gewalt. Und doch behaupten Philosophen seit Menschengedenken: der Keim des Bösen schlummert in jedem von uns! Viele Mörder waren einst vollkommen unauffällige Menschen - so wie wir. Vielleicht sogar gute Menschen. Jedenfalls so lange, bis sie eine furchtbare Tat begingen, die ihr Leben - und das vieler anderer - aus der Bahn geworfen hat.

Wie wird man zum Mörder?

Wenn wir Mord-Geschichten in den Nachrichten verfolgen, fragen wir uns jedes Mal wieder nach den Gründen für eine solche Tat. War es eine Handlung aus dem Affekt? Aufgestaute Wut, die sich irgendwann zum blinden Hass entwickelte? Oder war die Tat von langer Hand geplant? Aus Rache oder gar aus Habgier? In vielen Fällen tappen die Ermittler im Dunkeln und wir werden die eigentlichen Beweggründe nie erfahren.

Ist der Mörder „böse“? Die meisten Menschen stimmen zumindest darin überein, dass seine Tat durch nichts zu rechtfertigen ist.

Schlummert in jedem von uns ein Mörder?

Warum beschäftigen uns solche Geschichten so sehr? Möglicherweise deswegen, weil sie uns regelmäßig mit der Überlegung konfrontiert, ob wir selbst oder nahestehende Menschen im Extremfall auch zu einer solchen Tat fähig wären. Und weil wir vielleicht sogar schon manches Mal in unserer Wut den Gedanken hatten: „Ich könnte ihn (oder sie) umbringen!“ oder: "Wenn er (oder sie) nicht mehr da wäre, dann hätte ich endlich meine Ruhe…“

Sind wir also weniger böse, nur weil wir unsere Gedanken nicht in die Tat umsetzen? Und wo beginnt es eigentlich – das Böse in uns? Sehen wir nicht bei so vielen Dingen einfach zu und unternehmen nichts, obwohl wir wissen, dass andere ins Messer laufen? Und machen wir uns nicht dabei auch schon ein bisschen mitschuldig? Sind die, die nichts unternehmen, besser als die Täter?

Wo beginnt das Böse?

Ist ein Selbstmordattentäter böse? Er opfert sein eigenes Leben für seine Religion – das ist aus seiner Sicht eine gute Tat. Kein Opfer, kein Angehöriger und auch (fast) niemand sonst in der Welt wird dieser Ansicht folgen. Wie kann ein Mensch die Vernichtung anderer Menschen gut heißen?

Es ist so einfach, zu sagen: ich bin nicht böse, denn ich würde niemals zu solchen Mitteln greifen! Und doch sterben täglich Millionen von Menschen vor unseren Augen - an Hunger und in kriegerischen Auseinandersetzungen. Wir sehen untätig dabei zu und vernichten gleichzeitig unsere Lebensgrundlagen auf diesem Planeten jeden Tag ein bisschen mehr.