clownBesitzen Narzissten Humor?

Es gibt Momente im Leben, die kann man nur dann erfolgreich meistern, wenn man sich auch mal das Lachen verkneifen kann. Zum Beispiel als Bestattungsunternehmer oder Berufspolitiker. Im Grunde sind Sie manchmal sogar besser dran, wenn Sie gar keinen Humor besitzen. Dann müssen Sie sich nämlich nie das Lachen verkneifen und alle Welt denkt, dass Sie vermutlich sehr intelligent und vor allem so souverän sind. Hier ist der Narziss ganz klar im Vorteil.

Ganz gleich, welchem Gebiet er sich widmet, er tut es mit unerbittlichem Ernst. Dabei können Narzissten durchaus so etwas ähnliches wie Humor besitzen. Selbstironie kommt allerdings eher selten vor. Falls doch, dann verfolgt sie lediglich ein stets bewährtes Ziel: Die Stärkung des eigenen Ego.

Dabei ist Ironie im Grunde eine feine Sache. Wenn man sie beherrscht wird das wirkliche Leben gleich ein wenig erträglicher. Und nicht nur das Leben, sondern auch man selbst - für andere und natürlich auch für sich selbst.

Humor als Mittel zur Näheverhinderung

Der Narziss aber hat eine ganz besondere Spielart des Humors für sich entdeckt: Er benutzt Ironie als Keule, um die Realität damit totzuschlagen. Und als Instrument zur Verhinderung von so grässlichen Dingen wie Nähe. Der Narziss tritt anderen im Vorübergehen nonchalant auf die Füße, um dann jovial zu fragen: "Verstehen Sie denn gar keinen Spaß?"

Für den eher seltenen Fall, dass er sich denn einmal selbst auf die Schippe nehmen sollte, erwartet er selbstverständlich, dass ihm die anderen sofort widersprechen und ihm umgehend versichern, dass er im Grunde ein feiner Kerl und keineswegs so schlimm sei. Oder dass sie ihn beneiden. Weil er, neben all den anderen unstrittigen Vorzügen wie Esprit und Eloquenz, auch noch die bewundernswerte Fähigkeit besitzt, über sich selbst zu lachen.

Auch Humor ist also letztlich nur ein Utensil aus der Trickkiste des Narzissten. Und was ist nun eigentlich das Ziel der Übung? Richtig! Pluspunkte sammeln auf seinem Konto, damit es schließlich Zins abwirft - in Form narzisstischer Bedürfnisbefriedigung.

Ja, der Narziss nimmt sich selbst durchaus ernst. Sehr sogar. Auch wenn er da mitunter der einzige ist. In dieser unreflektierten Selbstbespiegelung liegt das ganze Gewicht seiner Existenz. Leichtigkeit ist ihm ein unerträglicher Verdruss. Dazu ist sein Dasein schlicht zu bedeutungsvoll. Im Übrigen ist er viel zu beschäftigt, um sich mit solch profanen Dingen abzugeben. Meistens mit sich selbst. Da bleibt wenig Spielraum für Humor.