EndBeim vorletzten Beinahe-Weltuntergang waren wir (fast) alle live dabei: Sie erinnern sich dunkel? Damals, 1999 auf 2000. Ein bisschen peinlich ist es im Nachhinein schon. Wie erklärt man das den Kindern, wenn die das nachher im Internet lesen?

Zwar glaubte keiner von uns so recht daran, dass die Raumstation MIR wirklich auf die Erde stürzen und die Eifel explodieren würde, aber die Theorie, dass mit der Umstellung der Computer von der 99 auf die 00 unvorstellbare Katastrophen eintreten könnten, war so weit verbreitet, dass es auch für nicht allzu abergläubische Menschen gar nicht so einfach war, sich dem schaurigen Grusel zu entziehen. Und was ist passiert? Nichts. Einfach rein gar nichts. Irgendwie auch schade. Wieder eine Chance auf eine echte Sensation verpasst.

Wenn ein Weltuntergang in die Geschichte eingeht, war er nicht erfolgreich

Das war das bedauerlichere Schicksal aller bisherigen Weltuntergänge. Auch das des zuletzt angesagten: 21.12.2012. Obwohl das ja nun sozusagen der Weltuntergang unter den Weltuntergängen schlechthin war. Der, der eigentlich sämtliche bisher dagewesenen apokalyptischen Rekorde toppen sollte. Mit Sonnenstürmen, Vulkanausbrüchen, Erdbeben, Polsprüngen und allem, was dazu gehört. Ein spitzenmäßig inszenierter Endzeit-Blockbuster in wirklich.

Aber auch da gab es wieder nur zwei Möglichkeiten: Hätte er tatsächlich stattgefunden, so hätte das nachher auch keinen mehr interessiert. Weil ja die Welt dann komplett untergegangen wäre. Mit Menschen und allem. Sonst wäre es ja kein Weltuntergang gewesen. Es war auch keiner. Also haben wir einfach wieder Weihnachten gefeiert. Wie immer. Obwohl einem dann schon irgendwie etwas fehlt. Schließlich hat man nicht alle Jahre die Gelegenheit, einen so sensationellen Weltuntergang zu erleben.

Die nächsten Termine stehen schon

Da ist es zumindest ein kleiner Trost, dass der nächste Termin für den Weltuntergang auch schon steht: Der soll nämlich nach Nostradamus ziemlich genau 2017 eintreten. Nachdem der meistzitierte Weltuntergangsvorhersager der Welt es allerdings nie so genau mit den Datumsangaben genommen hat, könnte das Ereignis jedoch auch früher stattfinden. Rasputin, der berühmte russische Wanderprediger, Geistheiler und Zarenflüsterer, dessen Vorhersagen allerdings bislang ebenso wenig anschlugen wie seine angeblichen Heilkünste, hatte ihn ja schon für 2013 prognostiziert. Wieder nichts. Und 2014? Da hätte eigentlich der letzte Papst sterben sollen.

Spannend wird es auf jeden Fall noch einmal im Jahr 2038. Da endet nämlich die Computerzeitrechnung, denn die ist tatsächlich endlich und wenn die Zeit abgelaufen ist, springen die Zahlen einfach wieder auf null. Die fatale Folge: Was auch immer auf Computertechnik basiert ‑ und das dürfte bis dahin vermutlich so ziemlich alles sein – klinkt sich aus. Und das könnte nun wirklich eine richtige echte Katastrophe verursachen, wenn man bedenkt, dass die meisten Menschen heutzutage schon kaum noch ohne Verbindung zum iPad funktionieren.

Gänsehaut, Grusel und Gurus

Fest steht: Die bisherigen Prognosen für den Weltuntergang waren nicht gerade zuverlässig. Nur auf eines kann man sich dabei 100prozentig verlassen, nämlich darauf, dass es bis zum realen und finalen, also zum echten, tatsächlichen und wirklichen Weltuntergang noch jede Menge neue Prophezeiungen geben wird. Warum? Weil Menschen Gänsehaut und Grusel lieben, das Angstprickeln und die schönen Schauder, die ihnen solche Geschichten den Rücken herunter jagen. Und sie lieben Gurus, Propheten, und sonstige Superhelden. Weil die so genau wissen, wo es lang geht. Im Gegensatz zu Politikern zum Beispiel.