Der geheime Lebensplan (Alfred Adler)

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/e/ec/Punch_Rhodes_Colossus.png/185px-Punch_Rhodes_Colossus.pngJeder Mensch entwirft nach Adler schon als Kind einen Lebensplan. Der bleibt vorerst „geheim“ - er ist nicht bewusst. Er verfolgt den Plan, weil er glaubt, dass sein Bedürfnis nach Anerkennung und Geltung befriedigt wird, wenn er die gesteckten Ziele erreicht. Je ausgeprägter das Gefühl der Minderwertigkeit, desto zwanghafter wird der Plan abgearbeitet. Daraus ergibt sich eine Leitlinie. Sie manifestiert sich in bestimmten Glaubenssätzen:

  • Ich muss erfolgreich sein.“
  • „Ich muss immer der Beste sein.“
  • „Ich muss mich unterordnen.“
  • „Ich muss diszipliniert sein.“
  • ...

Sie kann sich auch in Verboten äußern, die der Betreffende sich selbst erteilt, um das Erreichen seiner Ziele nicht zu gefährden wie

  • „Ich darf nicht auffallen.“
  • Ich darf keine Schwäche zeigen.“
  • ...

Streben nach Gottähnlichkeit

Die Zwanghaftigkeit der Leitlinie macht unfrei. Sie beschränkt die Handlungsmöglichkeiten. Doch jeder Mensch kann sich von diesem tyrannischen Einfluss befreien. Er ist dann endlich nicht mehr sklavisch dem „Gottähnlichkeitsstreben“ ausgeliefert. Er kann die anstehenden Lebensaufgaben sachlich in Angriff nehmen, sie orientiert am gesellschaftlichen Nutzen bewältigen.

Ist die Übernahme von Verantwortung per se wertvoll?

Dieser Ansatz Adlers wirft ein völlig neues Licht auf die Beurteilung menschlicher Verhaltensweisen. Vor allem auch solcher vielen als wertvoll gilt, ohne dass sie die Motive hinterfragen: Die Übernahme von Verantwortung. Die Entscheidung kann auf Einsicht und Freiheit beruhen. Wenn der Betreffende sie aus sachlichen Erwägungen und aufgrund eines entwickelten Gemeinschaftsgefühls übernimmt. Doch was, wenn er sich der Verantwortung nur bedient, um seine Minderwertigkeit zu kompensieren? Um sich befriedigt und bestätigt zu fühlen? Dann beruht die Entscheidung auf seinem tief verinnerlichten, psychischem Zwang.

Alfred Adlers Schlussfolgerungen:

  • Je größer das Geltungsstreben, desto größer das Bedürfnis, eine Maske zu zeigen und eine unwahre Rolle zu spielen.

  • Je mehr ein Mensch sich selbst wirklich annimmt, desto echter kann er sein.

  • Je eigenständiger ein Mensch ist, desto weniger ist er von den Meinungen anderer Leute abhängig.

  • Je mehr ein Mensch auf Ansehen und Geltung aus ist, desto weniger kann er eine Aufgabe sachlich lösen.

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